Donnerstag, 25. Februar 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Erwachsen sein!

Seit Neuestem spiele ich Dungeons and Dragons. Nerdig, ich weiß, aber macht schon Spaß. Jedenfalls bin ich da ein Elfendruid. Und Elfen haben die ungewöhnliche Eigenschaft, erwachsen zu werden, wenn sie bereit dafür sind. Das kann mit 20 so weit sein, genauso geht es aber auch mit 100 (sie werden um die 700 Jahre). Wenn sie sich bereit fühlen, schaffen sie sich einen erwachsenen Namen an und wenden sich den wichtigen Verpflichtungen zu, die es zu erfüllen gibt. Vorher sind sie kindisch oder vielmehr kindlich.

Anfangs fand ich das total absurd, aber inzwischen ist mir klar: Unsere Generation, die berühmte Generation Y, macht das genauso. Obwohl wir eigentlich mit grob 18 ausgewachsen sind (das sind Elfen übrigens auch) und uns den "ernsten Dingen des Lebens", wie Omi so gerne sagt, zuwenden könnten, tun wir es nicht. Stattdessen wissen wir mit Mitte 30 noch nicht, wie wir eine Steuererklärung schreiben, studieren bis in die späten 20er, ohne zu wissen, was eigentlich aus uns werden soll und leben bis weit ins Berufsleben in einer 3er-WG. Nicht zu vergessen, dass wir verdammt häufig bei unseren Eltern durchklingeln, um die Dinge, die wir eigentlich können sollten, es aber nicht tun, einfach bei ihnen zu erfragen.


twinlili  / pixelio.de


Das macht sich auch immer mehr am Lifestyle selbst bemerkbar. Es werden nicht mehr nur die 20er dazu genutzt, wild zu feiern und uns heftig auszuleben. Dazu sind inzwischen die 30er da. In den 20ern benehmen sich viele von uns inzwischen so, wie man sich früher in der Pubertät verhalten hat. Erste Liebe (oder mehrere davon), bei den Eltern wohnen (ja, das gibt es sogar echt häufig) und eben dahin orientieren, wo man mal hin will. Ich nenn sie mal die Spätzügler.

Umgekehrt gibt es auch die Mittzwanziger, die fest im Job stecken und ordentlich Kohle verdienen, aber trotzdem am Wochenende so hart feiern, dass sie einen kompletten Sonntag über der Kloschüssel verbringen. Die klassischen Hedonisten.

Spannend ist, dass sich manche in eine ganz andere Richtung entwickeln. Mit 18 ausgezogen, bald einen Partner gefunden. Mit 25 verheiratet und mit 30 schon drei Kinder. Die Traditionellen. Erstaunlicherweise rümpfen die meisten bei dieser Vorstellung die Nase - obwohl das vor zwanzig, dreißig Jahren noch völlig normal war.

Aber was hält uns davon ab, endlich erwachsen zu werden? Warum sind wir inmitten unserer 20er noch so unselbstständig und weigern uns, Verantwortung zu übernehmen?

Ich glaube, das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen haben wir viel mehr Möglichkeiten. Das Studium ist blöd? Brechen wir es eben ab und machen was anderes. Im Job verdien ich zu wenig? Wechsel ich eben. Die Pfadabhängigkeit, wie man so gerne in der Pädagogik sagt, also das Einschränken von Entscheidungsmöglichkeiten durch bereits getroffene Entscheidungen, gibt es heute nicht mehr. Die Welt steht uns sehr lange offen. Zum anderen haben wir keinen Druck. Die finanzielle Situation in Deutschland ist in Ordnung, es herrscht kein Krieg und keine Unterversorgung. Wir müssen also keine Verantwortung übernehmen, wenn wir nicht wollen.

Doch genau in diesen beiden Faktoren liegt auch das Problem: Die vielen Möglichkeiten machen handlungsunfähig, denn es gibt ja so viele schöne Sachen, die man machen möchte - und könnte. Da strebt man auch gerne mal den perfekten Job, Partner, Ort an, was nahezu unerreichbar ist. Der fehlende Druck ist aber auch echt ein Problem. Wir können bis in die Mitte unseres Lebens vor uns hin tingeln, ohne etwas sinnvolles zustande bekommen zu haben: Ständiger Jobwechsel, Partnersuche, Ortswechsel. Aber so kommen wir nie an. Und weil wir eben Menschen sind, gehen dadurch einige Dinge verloren. Zum Beispiel der Kinderwunsch, der urplötzlich unmittelbar vor einem steht - und nicht ewig vor sich her geschoben werden kann. Ein Zitat, das ich mal von einer Mittdreißigerin gehört habe, und das mich ziemlich entsetzt: "Kinder möchte ich, ja, echt gerne sogar. Aber doch nicht jetzt schon, ich fühle mich noch nicht erwachsen genug!"

Das ständige nach hinten schieben des Erwachsenseins ist nämlich ein gigantisches Problem: Wir werden nicht 700 Jahre, wie Elfen. Wir haben es mit etwa 80 Jahren hinter uns. Wer erst in der Hälfte seines Lebens beschließt, endlich mal Verantwortung zu übernehmen, verpasst einiges. Er kommt nämlich nicht zur Ruhe. Und Erwachsen sein muss ja nicht zwangsläufig spießig sein: Schließlich ist Erwachsen kein Synonym für todernst. Sondern viel mehr für Verantwortung und Autonomie. 

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