Mittwoch, 16. März 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Bachelor!

"Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber meine Gefühle reichen leider nicht. Heute habe ich leider keine Rose für dich!"

Ich sitze vor dem Fernseher, höre diesen Satz und erschaudere. Die Kandidatin Daniela bricht in Tränen aus und mir wird auch ganz flau im Magen. Ich fühle mit. Und -

Halt stopp! Hab ich mich gerade wirklich dabei erwischt, wie ich beim Bachelor schauen mitfiebere? Da schießt einem gleich die Schamesröte ins Gesicht. Nicht nur deshalb - auch, weil ich seit Wochen einschalte. Mittwochabend, immer zur selben Zeit. Dabei ist mir völlig klar, dass es sich um Trash-TV handelt - das ich sonst auch nicht gucke. Aber manche Shows bilden die Ausnahme. 
Warum eigentlich?

Schauen wir uns mal den Bachelor genauer an. Etwa 20 Frauen buhlen um einen Mann. Er küsst sich durch die Frauenriege, kuschelt sich durch Traumkulissendates und säuselt sich durch die Sendung. Was in erster Linie sexistisch klingt und eher an altertümliche Polygamie erinnert, empört aber nicht, sondern fesselt. Wen wählt er? Wer fliegt raus?
Dabei wäre eine Meldung in der Art in den Nachrichten das Gesprächsthema schlechthin:
Mann wählt mit Hilfe von Körperkontakt zwischen 20 Frauen. Schließlich ist das an sich schon erniedrigend.

günther gumhold  / pixelio.de

Trotzdem schauen wir voller Neugierde hin. Meine Vermutung: Es liegt an der Cinderella-Theorie. Wir glauben, dass unter all den Frauen die Richtige ist. Und der Bachelor muss eben durch Ausprobieren und viel Zeit herausfinden, welche von ihnen es ist. Eben wie bei Aschenputtel: Es ist die, der der Glasschuh passt. Respektive das Leben. Eine von vielen, aber gleichzeitig von vielen die eine. Also geben wir uns der Hoffnung auf die große Liebe hin, statt gegen Sexismus und die öffentliche Erniedrigung von Frauen zu demonstrieren. Und so ist es eben auch: Eine von ihnen wird es am Ende. Eine kriegt die letzte Rose.

Nur damit kommt auch der Haken. Die Blase platzt enorm schnell, wenn sich herausstellt, dass die beiden doch nicht mehr zusammen sind. Wenn beide ganz plötzlich feststellen, dass es nicht passt, noch nie vorher gepasst hat und man dieses ungute Gefühl bekommt, das Fernsehen steckt dahinter.
Damit bekommt die Cinderella-Story ein Leck - und wir schämen und noch mehr, dass wir uns dem Trash-TV doch hingegeben haben. Trotzdem schaffen es die Sender, einen immer wieder vor den Fernseher zu bekommen. Ob das heißt, die Menschen glauben wirklich an die wahre Liebe? Ich wage es zu bezweifeln...

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