Sonntag, 29. Mai 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Theaterausfälle!

Letzten Montag war ich mal wieder im Staatstheater. Macht man ja viel zu selten, es ist ja schließlich hochkulturell und für Studenten auch noch kostenlos. Das Stück hieß "Traurige Zauberer", angeblich ein stummes Stück, das tatsächlich für unser Staatstheater inszeniert wurde. So was macht mich neugierig.

Gerhard Hermes  / pixelio.de 

Der erste Eindruck war auch super: Das Stück spielt andersrum. Heißt, man sitzt am hinteren Ende der Bühne mit Blick auf die Zuschauerränge. Das ist ziemlich cool! In den Rängen standen drei Projektoren, auf der Bühne lediglich ein Keyboard und ein paar Requisiten am Rand, die aber auch von anderen Stücken hätten sein können. Stimmung: Freudig gespannt. 

Dann geht es los. Das Licht wird etwas gedimmt, durch die Zuschauerränge läuft ein Mensch und stellt nacheinander die Projektoren an. Man hört ein Klackern, ein Lachen, Applaudieren. Der Mensch kommt auf die Bühne und spielt Klavier. Alleine dieser Prozess dauerte 15 Minuten. Danach kommen verschiedene Personen auf die Bühne, die während des Klavierspiels unterschiedliche Dinge tun, die aber allesamt keinen richtigen Sinn ergeben. Jedenfalls reden sie. Es ist nicht stumm. Zwischendrin läuft immer wieder dieselbe Schauspielerin über die Bühne und zeigt imaginären Gästen die Räumlichkeiten. Stimmung: Neugierig irritiert.

Irgendwann wechselt die Szene, es wird getanzt, gesungen, aber sehr emotions- und sinnlos. Ein Schauspieler benutzt ständig ins einer Rolle als Zauberer eine Dampfmaschine, der andere brabbelt in nuscheligem Schottisch vor sich hin. Eine der Frauen steht immer wieder völlig überrascht mitten auf der Bühne, die Gruppenführerin landet aufgrund ihrer Nervigkeit in einem Käfig. Stimmung: Verständnislos amüsiert.

Szenenwechsel: Wenn es nicht vorher schon absurd war, ist es das jetzt. Die Figuren agieren mit der Luft, nicht miteinander. Sie reden fast durchgehend komisches Zeug, zwei Pianisten laufen durch den Raum und spielen ebenfalls durchweg eins der fünf Klaviere, die aufgetaucht sind. Kurz wird von einem der Pianisten die Rahmengeschichte erläutert (zwei Zauberer - ein Lehrer und ein Lehrling - der Lehrling spannt dem Lehrer die Frau aus, es entsteht erbitterte Konkurrenz, alle sterben während einer Kreuzfahrt). Danach sitzen alle vor erleuchteten Spiegeln und reden mit ihrem Spiegelbild. Dafür das alles? Stimmung: Genervt/gelangweilt.

Es geht endlich dem Ende entgegen. Die Schauspieler sitzen vor dem Publikum, kommentieren das Stück. "Viel schönes dabei." "Das hatte zwar keinen Sinn - aber die Musik war gut." Ich fühle mich ehrlich verarscht. Sie verbeugen sich in Richtung der Zuschauerränge und gehen raus. Das war's. Stimmung: Erleichtert enttäuscht. 

Schon währenddessen muss ich unweigerlich an die How-I-Met-Your-Mother-Folge denken, in der Barney Lily beweisen möchte, dass man im Theater eben nicht alles erträgt. Dazu nutzt er unter anderem eine Wasserpistole (wer die Folge kennt, weiß genau, was ich meine). So kam ich mir bei diesem Stück vor: Wie weit können wir gehen, ohne dass das Publikum geht? Ich schämte mich regelrecht. Für die Schauspieler, die das Stück spielen mussten. Für den Autoren, der auf eine so dämliche Idee kam. Und nicht zuletzt für das Publikum, das sage und schreibe acht Mal applaudierte, um die Schauspieler erneut auf die Bühne zu holen Acht (!) Mal! Vielleicht aus Mitleid, weil das erst die Premiere war und sie noch viele beschissene Vorstellungen spielen mussten. 

Noch schlimmer war das allerdings bei "Demut vor deinen Taten, Baby". Das Stück war nämlich nicht von Grund auf sinnlos, sondern grandios: Drei sich völlig fremde Frauen erleben einen vermeintlichen Terroranschlag und empfinden danach eine so starke Euphorie, dass sie dieses Gefühl teilen wollen. Also inszenieren sie ähnliche "Fake-Anschläge", was solchen Anklang findet, dass die Regierung die Idee aufkauft. Während das eigentliche Stück damit endet, dass sie SPOILER vor lauter Wahn nicht aufhören können und sich gegenseitig niedermetzeln, endete das Stück in Mainz damit, dass das Stück nach einem angeblichen Sturz einer Schauspielerin wieder von vorne gespielt wird. Und mittendrin aufhört. Ohne Pointe, ohne Witz. Einfach leer. Da hatte ich nicht nur Fragezeichen im Gesicht, sondern war tierisch wütend. Weil jeder Sinn durch diese Neuinszenierung verloren gegangen ist.

Glücklicherweise ist das ja nicht immer so. Neuinszenierungen können auch gut gelingen und Frische rein bringen. Aber die Quintessenz muss erhalten bleiben! 

Alles in allem bin ich jedenfalls erleichtert, für diesen Mist kein Geld gezahlt zu haben. Denn dann hätte ich mich wirklich in Grund und Boden geärgert.

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