Montag, 13. Juni 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die Politisierung der EM!

Manchmal denke ich gerne an Afrika und Brasilien zurück. Nein, ich spreche nicht von tollen Urlaubserlebnissen, sondern den Fußballweltmeisterschaften 2010 und 2014. Da war die WM noch ein Familienevent. Es ging um Spaß am Sport, um gemeinschaftliches Mitfiebern und das Rudelgucken wurde regelrecht zelebriert. Die Stimmung war insgesamt friedlich und überall auf der Welt herrschte ein Gemeinschaftsgefühl, das bei anderen Events gar nichts erst aufkommt. Da wurde noch über jedes Tor gejubelt, statt den Fans der Gegnermannschaft eins überzuziehen. 

Klar, ich sollte das nicht nur schön reden, denn auch die WMs damals waren politisch. Einerseits politisch korrekt, weil die Hautfarbe oder die Herkunft der Spieler keine Rolle gespielt hat und die Gemeinschaft wichtiger war. Andererseits politisch inkorrekt, weil die Armut der Gastgeberländer völlig zugunsten des Spaß ignoriert wurde.

Aber das hat sich inzwischen alles geändert. Deutschland und Europa hat Probleme, die teilweise durch die EM ignoriert werden oder sogar erst zu Tage befördert. Mal etwas konkreter:

Dass rechtes Denken und Rassismus in die Köpfe einiger Bürger einzogen sind, ist nichts Neues. Nur wirkt sich das erstmals gravierend auf eine solche Meisterschaft aus. Man siehe Gauland und sein saublöder Kommentar, der dazu führt, dass Jérome Boateng seine Familie nicht im Stadion sehen möchte. Um sie zu schützen. Man siehe Menschen, die voller Stolz ihre Deutschlandfahne aus dem Fenster hängen - nicht aus Patriotismus, sondern weil sie ihren Nationalismus jetzt zelebrieren dürfen. Und man siehe Diskussionen, wie deutsch man sein muss, um überhaupt in der Nationalelf spielen zu können. Krank. 

Ein weiteres Problem, das sich schon seit den Anschlägen in Paris auftut, ist der Terrorismus. Frankreich hat gerad ein letzter Zeit viel einstecken müssen, die EM ist ein besonders gefährdetes Event. Da ist es nur verständlich, wenn man mit einem mulmigen Gefühl ins Stadion geht oder zusammen zuckt, wenn ein ganz normaler Böller im Stadion hoch geht und man sich unweigerlich an das Deutschland-Frankreich-Spiel erinnert, nach dem 120 Menschen ums Leben kamen. Die Angst hat Einzug gefunden und das nimmt auch einen Teil der Euphorie. Unweigerlich, auch wenn das schade ist und man mit aller Macht dagegen angehen sollte. 
Sirius Black  / pixelio.de 

Nicht zu letzt nach dem vergangenen Wochenende tut sich ein weiteres Problem auf: Hooligans. Menschen, die sich so in ihre Fankultur hineinsteigern, dass sie andere Menschen krankenhausreif schlagen, nur weil sie für die gegnerische Mannschaft jubeln. Die noch mehr Angst verbreiten und ganze Städte einnehmen. Das versaut den Spielspaß. Es wäre ein ganz schönes Armutszeugnis, wenn als Konsequenz England- und Russlandspiele zu Geisterspielen oder sogar beide Mannschaften disqualifiziert werden. 

All das, muss ich ehrlich sagen, mindert die Euphorie, die die vorangegangenen Meisterschaften noch verbreitet haben. Da ist immer dieser bittere Beigeschmack im Hinterkopf. 

Naja, wollen wir mal hoffen, dass sich die Probleme ein wenig eindämmen und nicht noch mehr politisiert wird, wo einfach gespielt werden soll. Lang lebe der Fußball!

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