Montag, 8. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die Nature One!

Oder: Eine lange Odyssee zur besten Party meines Lebens!

(Achtung: Dieser Artikel könnte nörgelig wirken, hat aber ein Happy End)

Der Open-Air-Floor
Grundsätzlich hasse ich Festivals. Und das hat viele Gründe und eine lange Vorgeschichte.
Angefangen hat alles mit den klassischen Rock-Festivals, auf die ich mit meinen meist männlichen Kumpels gegangen bin. Das Problem dabei war und ist: Die Bands, die die Jungs hören, höre ich nicht und umgekehrt. Heißt: Bei meinen Lieblingsbands hatten sie keinen Spaß und ich nicht bei ihren. Außerdem hatte die Gruppe es immer an sich, ein Pavillon mit auf den Zeltplatz zu bringen und dort die meiste Zeit Bier trinkend zu verbringen. Womit man natürlich einen Teil der Musik verpasst und dauerbetrunken ist. Und um mal einen weiteren, nicht unwesentlichen Punkt anzusprechen: Wer zeltet, muss schleppen. Das heißt: Wir parken das Auto an Punkt A, nehmen in die Arme, was wir tragen können und laufen erstmal drei Kilometer. Eine Strecke. Und das mehrmals. Denn um ausreichend mit Bier versorgt zu sein, hatten wir mindestens drei Kästen Bier dabei. Eher mehr. Trag die mal...

Das House of House während FEDER
Was noch dazu kommt: Zelten. Sagen wir es mal so: Ich habe ein ähnliches Verhältnis zu Zelten wie Katzen zu Wasser. Man stößt einander ab. Auch das hat plausible Gründe. Die Zeltwände sind so dünn, dass man die Menschen im Nachbarzelt lachen, rülpsen und pupsen hören kann. Ohne dass sie das laut tun. Ganz nebenbei ist auf dem Zeltplatz ohnehin immer Party, sodass es frühestens um 5 Uhr Morgens langsam ruhiger wird. Regnet es, wird es im Zelt schnell nass, ist es trocken, ist der Boden steinhart. Nachts wird es, selbst im Hochsommer, eiskalt, sodass man entweder auf der bequemeren Luftmatratze friert, weil Kälte rein zieht, oder mit Rückenschmerzen aufwacht, weil die Isomatte so hart war. Morgens wird man erschlagen. Einmal von der Hitze, die mit der Sonne auf das Zelt knallt und vom dem Geruch, den man selbst mit Zeltpartner absondert. Das einzige, was da hilft (und das verabscheue ich ähnlich wie Zelten) ist Konterbier. Sonst erträgt man sich selbst nicht.
Ihr könnt euch also vorstellen, wie garstig ich nach einer Weile Festival bin. Selbst mein bester Freund hatte nach einem Tag Probleme, mich ohne Zynismus zu ertragen.

Nun habe ich mich selbst gefragt, was mich geritten hat, die Nature One, Deutschlands größtes Electro-Festival, zu besuchen. Zum einen war es das Versprechen, das ich einem Freund schon vor drei Jahren gegeben habe, denn eigentlich mag ich Electro zum Feiern ganz gerne und er war oft genug alleine auf dem Festival. Andererseits war es auch der Nervenkitzel, mal eine solche Größenordnung zu sehen. Was ich bisher kannte, war eher überschaubarer (und trotzdem Stress genug).

Die DJ-Bühne des Open-Air-Floors
Also: Tagesticket gekauft (bloß kein Zelten!), am Freitag in ein Outdoor-Festival-Outfit inklusive kaputter Chucks geschmissen, in den Zug gesetzt und nach Kastellaun aufgebrochen. Die Stimmung war gut, bei meinem Freund, nennen wir ihn mal Sven, und meiner Freundin, nennen wir sie mal Lena, die auch mitgekommen ist, eher euphorisch, bei mir verhalten optimistisch. In Koblenz, wo man in einen Shuttlebus umsteigt, wurde es nicht besser, denn dort wurde uns erst einmal gesagt: Shuttle ist ausverkauft, nehmt ein Taxi. Glücklicherweise war das nicht so. Der Bus hatte noch genug Platz, während der Fahrt (mit einem überaus charmanten Busfahrer) lief laut Techno, zur Einstimmung. Skurril, aber lustig.

Ein Blick aus der Open-Air-Pyramide in den Himmel
Nach insgesamt einer Stunde Zug- und einer weiteren Stunde Busfahrt in den Sonnenuntergang kamen wir an. Und stellten fest: Es hat geregnet. Alles Matsch. Übel, vor allem weil sich das Gelände auf einer alten Raketenbasis befindet, die nicht sonderlich gepflegt wird. Kurzum: Die Schuhe waren ziemlich schnell braun. Da das gesamte Gelände sehr hügelig ist, war mein größter Horror, innerhalb der ersten Stunde auszurutschen und komplett im Dreck zu landen, aber da hatte ich Glück. So ziemlich die ganze Nacht lang.

Der Fußweg vom Bus zum Festival dauerte nochmal fast eine Stunde, man umläuft praktisch das gesamte Gelände, nur um vor dem Eingang warten zu müssen, weil alle rein wollten. Spätestens da war mir richtig mulmig. Knapp 60.000 Menschen auf einem Fleck, teilweise besoffen, teilweise drängelnd. Im Hintergrund ein leiser, wummernder Beat und unmittelbar vor uns Flutscheinwerfer. Sehr atmosphärisch... Hust.

Der Tunnel
Wir standen nicht lange an, organisatorisch war alles top, es ging sehr schnell. Um 23 Uhr waren wir auf dem Gelände. Und langsam ging mein mulmiges Gefühl weg. Zuerst war es noch seltsam, unter der Lichtpyramide des Open Air Floors zu tanzen, ich war definitiv nicht warm. Im Tunnel, einem der knapp 25 kleinen Clubs auf dem Gelände, wurde es sogar noch seltsamer, weil man tatsächlich in einem Bunkerdurchgang ist. Die Musik war so laut, dass nicht nur das Herz im Takt geschlagen hat (und es war Hardcore-Techno, also sehr, sehr schnell!), sondern auch die Moleküle um einen herum vibriert haben. Da hat der Spruch Tanz der Moleküle auf einmal reelle Bedeutung.

Der Century Circus mit Chris Liebling





Bei unserem ersten längeren Stop, im House of House, war es spätestens um mich geschehen. Der DJ, HUGEL, den ich vom Hörensagen sogar kannte, legte melodisch auf, sodass ich mich, obwohl ich an dem gesamten Abend erst ein Bier getrunken hatte - wobei es auch bleiben würde - völlig in der Musik verlieren konnte. Je später es wurde, desto mehr nahm einen die Musik mit. Man tanzte sich in die Menge, in die Ekstase. Völlig ohne Drogen, nur man selbst mit seinen Freunde. Das hab ich, wenn ich ehrlich bin, so noch nie erlebt. Was der Höhepunkt der Nacht war, kann ich gar nicht genau sagen. Alles toll. Sander van Doorn auf dem Open-Air-Floor oder später Moguai, nochmal dort? Der französische DJ FEDER im House of House? Die halbe Stunde auf klassischen Trance abgehen? Oder doch der Techno-DJ Chris Liebing im Century Circus? Keine Ahnung. Ich war mitgerissen. Trotz Fußschmerzen vom Tanzen und leichter Rückenschmerzen vom Dauerstehen.

Um 5 Uhr ging es nach Hause, wir waren alle ziemlich fertig, aber glücklich getanzt. Ich habe auch vorher noch nie eine Nacht komplett durchgegroovt. Ansonsten war das eher mit Small-Talk-Pausen verbunden - und oft mit Alkohol. Diesmal nicht und das war unfassbar gut so.

Drei Stunden später fielen wir in unsere Betten, nachdem wir im Zug gefrühstückt haben.
Mein Fazit? Obwohl Freitag keine weltbekannten DJs da waren, war für jeden etwas dabei.
Es war fantastisch, und ich muss dem Motto der Nature Recht geben:
Life is too short for boring parties. 
Gerne wieder :-)

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