Mittwoch, 17. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Hochzeiten!

Viertel vor drei, irgendwo im Saarland. Vor einer katholischen Kirche haben sich etwa 100 Leute versammelt und warten auf das Brautpaar, das gerade getraut wurde und gleich in Empfang genommen werden will. Was alle gemeinsam haben? Sie sind elegant gekleidet. Was alle unterscheidet? Der Gesichtsausdruck. Denn jeder hat an einer solchen Hochzeit ja andere Erwartungen. 

hochzeitsfotograf  / pixelio.de

Ich war am Wochenende auf einer Hochzeit und ich habe einige spannende Dinge beobachtet. Zwar wird das jetzt ein wenig pauschalisiert, schon alleine um niemanden kenntlich zu machen, aber ein wahrer Kern ruht in jeder These. 

Wir sind also vor der Kirche. Alle starren aufs Portal, aber neben der Erwartung, gleich die Frischvermählten zu beglückwünschen schwingen oft noch andere Erwartungen mit.
Timo Klostermeier  / pixelio.de
Da sind einmal die Singles. Die Menschen, die entweder im klassisch amerikanischen Sinne eine/n +1 dabei haben und diejenigen, die tatsächlich solo auf die Hochzeit gegangen sind - und somit als Singles kenntlich werden. Bei den Begleiteten wird schnell ziemlich deutlich: Entweder kennen sie das Brautpaar und dessen Umfeld nicht gut, brauchen deshalb jemanden, der mitkommt, wollen aber unbedingt auf die Hochzeit gehen, weil sie Hochzeiten so toll finden - oder sie sind schlichtweg sicher, dass man über sie urteilen wird, wenn sie alleine erscheinen. Die völlige Unsicherheit also. Je nach Alter der begleiteten Singles steigt die Unsicherheit natürlich. Den entsprechenden Blick vor der Kirche kann man sich vorstellen: Schüchternes in die Gruppe linsen, um zu sehen, ob jemand merkt, dass man als Single hier ist. Einen Hauch Tragik bekommt die Situation der Begleiteten, wenn sie sich erhoffen, mit ihrer Begleitung, die bislang noch nicht fest ist, etwas Festes aufzubauen. Denn Hochzeiten sind nun mal wirklich keine gute Location für eine erste Verabredung.

Die Singles ohne Begleitung sind die ganz Coolen. Die glauben, alles meistern zu können. Meistens gehören sie zum unmittelbaren Freundeskreis des Paares, denn dort finden sich ähnlich häufig wie Kinder auch Unverpartnerte. Vordergründig freuen sie sich sehr für das Brautpaar, aber nicht alle tun das auch innerlich. Klar, es gibt diejenigen, die das Single-Leben toll finden und deshalb aufrichtig über die Trauung schwärmen, sich selbst aber nicht vorstellen können, selbst mal zu heiraten. Der Blick: Freudig, aber etwas distanziert. Genauso gut kann es sein, dass der Cliquensingle liebend gerne heiraten möchte, es bislang aber keinen richtigen Partner gab. Deshalb erwischen sie sich auch mal mit etwas missgünstigen Gedanken, obwohl sie ihre Freunde lieben. Die Mimik dieser Menschen versucht sich aufrichtig an Freude, aber ein bisschen Traurigkeit blitzt trotzdem durch. 

Eine Stunde später. Sektempfang. Die Gäste verteilen sich in der Partylocation. Wieder kann ich ein paar spannende Dinge erleben. 

Jörg Brinckheger  / pixelio.de
Da sind die Pärchen. Teilweise stehen sie in Grüppchen, teilweise haben sie sich etwas zurückgezogen. In den Grüppchen erwischt man Leute, während sie sich gegenseitig vorschlagen, als Nächstes zu heiraten. Dann lachen alle, aber mit einem Fünkchen Angst in den Augen. Das spitzt sich beim Brautstrauß fangen noch zu. Andere wiederum sagen sich, wie schön das alles ist, aber: Wir lassen uns mal noch Zeit. Oder lassen das ganz. Ist nichts für uns. Sie sind eher entspannt. Je nach Länge der Beziehung haben Hochzeiten auch etwas Drängendes. Es ist schließlich deprimierend, wenn das Brautpaar nach einem Jahr vor den Traualtar schreitet, man selbst aber nach sechs Jahren noch immer keinen Antrag bekommen hat, obwohl man gerne möchte. So etwas artet gerne ins vorwurfsvolle bis hin zu Streit auf der Party aus. 

Wenige Pärchen sind auf Hochzeiten längst einen Schritt weiter und schon verlobt. Da das in den meisten Fällen freiwillig war, findet man hier die Adleraugen. Was wollen wir selbst für unsere Hochzeit? Was ist ganz furchtbar? Schau mal da, ein Kind bringt die Ringe, das ist toll! Die Dekoration hier gefällt mir nicht so. Aber dafür ist das Gastgeschenk süß! So oder so ähnlich könnte ein Dialog zwischen zwei Verlobten aussehen. Sie wollen sich inspirieren lassen, Ideen finden und auch im Vergleich zur eigenen Hochzeit etwas lästern. 

Ganz anders ist das bei Verheirateten. Wenn die Hochzeit noch nicht lange zurückliegt, wird in Erinnerungen geschwelgt und fürs Heiraten geschwärmt. Bei der älteren Generation wird das frisch vermählte Paar freudig in den Kreis der Verheirateten aufgenommen. Endlich wieder zwei mehr, die sich getraut haben. Der Kreis der Eheleute wächst. Dumm nur, wenn man selbst nicht glücklich verheiratet ist, eine Scheidung aber aus bestimmten Gründen nicht in Frage kommt. Dann würde man sicherlich am liebsten den gleichgeschlechtlich Heiratenden herauszuziehen, um zu fragen: Wolltest du das wirklich? Bist du übergeschnappt? Ach Kind, jetzt ist eh zu spät. 

Einige Stunden später. Musik läuft, es wird richtig gefeiert. Die Leute rocken das Haus. Eltern mit Kind haben mit knirschenden Zähnen schon den Heimweg angetreten. Aber es gibt weitere Parteien, die nicht glücklich sind. Da wären einmal die Geschiedenen und die Witwer. Beide finden sich entweder an einem ruhigen Plätzchen oder an der Bar. Die Geschiedenen haben die Ehe für sich verteufelt, allein schon wegen der Scheidungskosten, und sind nur da, weil sie das frisch getraute Paar lieben. Aber so richtig feiern wollen sie eine neue Ehe nicht. Witwer haben ihr Glück unfreiwillig verloren. Die neue Ehe erinnert sie nur daran. Auch ihnen ist weniger nach feiern, sondern eher nach trauern. Werden sie zum Tanzen aufgefordert, lehnen sie traurig lächelnd ab. 


hochzeitsfotograf  / pixelio.de
Zu guter letzt gibt es noch ein paar Sonderparteien: Die Eltern des Paares, die Geschwister, die Trauzeugen und die Ex-Partner. Die Eltern sind natürlich stolz. Endlich ist das Kind unter der Haube. Meistens freuen sich, dass es auch noch ein anständiger Partner ist und nicht der Lappen, den das Kind in der zehnten Klasse eine Weile mit nach Hause gebracht hat. Wenn es gut läuft, mischen sie sich unters Volk, trinken mit und halten eine wahnsinnig rührende Rede. Ähnlich ist das mit den Geschwistern. Da freut man sich. Endlich ein neues, tolles Familienmitglied. Und Bruder oder Schwester glücklich zu sehen, ist auch etwas Tolles. Die Trauzeugen sind mindestens genauso glücklich, aber auch froh, wenn die Hochzeit rum ist. Sie haben viel mitzuorganisieren und bekommen erst Ruhe, wenn der offizielle Teil man vorbei ist. Meistens wirken sie hektisch und ziemlich gestresst. Oder erleichtert und betrunken. Zu guter letzt ist da noch der/die Ex. Falls man sie auf die Party eingeladen hat. Wenn ja, stehen die Chancen gut, dass man sich noch mag und man dem anderen sein Glück gönnt. Außer natürlich, es sind noch Gefühle im Spiel und man riskiert, dass der/die Ex die gesamte Hochzeit crasht und mit einem durchbrennen will. Hier ist auf jeden Fall großes Gefahrenpotential. 

Wozu ich mich zähle? Eindeutig zu den verpartnerten, die noch ein wenig warten wollen. Bin ja noch jung. Außerdem ist es manchmal viel spannender, eine Hochzeitsgesellschaft zu beobachten statt seine eigene Partnerschaft zu feiern...

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