Montag, 5. September 2016

Die Sache mit den... Comebacks!

Manchmal, wenn ich in meinem Teeniekram herumstöbere, stoße ich auf alte CDs. Die CDs, die ich in meiner Kindheit und Jugend hoch und runter gehört habe. Da ist Britney Spears, die Backstreet Boys, der deutsche Sänger Ben, Christina Aguilera, Blur und TLC. Bei den meisten schmeiße ich die CD auch gerne wieder in den Player und singe laut und wild "Oops, I did it again" mit. Aber ich stelle auch jedes Mal mit Entsetzen fest, dass die Musiker inzwischen im Nirgendwo verschwunden sind, noch immer denselben Kram vor sich hinplätschern - oder sich zum dritten Mal an einem Comeback versuchen. Dabei sind die Sänger und Sängerinnen teilweise wirklich nicht mehr die Jüngsten.

Bei Miss Spears (wie oft war sie schon eine Mrs.?) läuft mir sogar immer ein eiskalter Schauer über den Rücken. Nicht nur, dass wir ihre ganze versexte Jugend auf der Bühne miterleben durften, wir mussten auch ihren Fall sehen. Eine Glatze, etliche Ausraster und ein kaputtes Leben. Der erste Comeback-Versuch? Ein völlig wirrer Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2007, bei dem die damals noch Mittzwanzigerin über die Bühne stolperte, als hätte sie die Orientierung verloren mit einer Frisur, die einen die Glatze zurückwünschen ließ. Völlig daneben. Dieses Jahr hat sie es bei den VMAs wieder probiert. Kein bisschen kaputt. Aber nicht gerade zeitgemäß. Zu ihrer Ballade "You Make Me" rutschte sie in einem engen, gelben und vor allem nackten Suit über die Bühne, grabschte sich an ihren Gesangspartner und zeigte nicht nur, dass sie kein Gefühl für ihre Songs und das Showbusiness hat, sondern auch, dass sie altmodisch geworden ist. Ein unnötiges Comeback.

Ganz anders machten es die Backstreet Boys oder auch Take That. Man trennte sich am Ende der Jugend, hatte Zeit, erwachsen zu werden und kam dann als gestandene Männertruppe - und eben nicht mehr als Boyband - zurück. Während manche Frauen die Wandlung hin zu reif und sexy betrauerten, fanden die Männer eine ganz andere Zielgruppe: Die der Musikliebhaber. Denn im Vergleich zum lustig lockeren "Everybody" wirkte der Comebacksong der Backstreet Jungens "Incomplete" auf einmal ernst und bedacht. Ähnlich ist das bei Take That. Die Songs sind zwar immer noch Pop, aber vom feinsten. Wobei er im Prinzip die Sparte der Frauen bedient, die er früher auch bedient hat. Nur dass die Frauen inzwischen, wie die Band, 20 Jahre älter sind.

Optisch und akustisch grausam war das Comeback von Wolle Petry. Der Mann, der sein Karriereende groß verkündete, auf Abschiedstournee ging, nur um ein Jahr später mit seinem Comebackalbum in den Läden vertreten zu sein. Wenn ein Karriereende nur als Marketingstrategie dient, sollte der/die Musiker/in wirklich mal über sein Verhältnis zum Beruf nachdenken. Oder über seinen Umgang mit Geld.

Ein Comeback, das sich wirklich als Paradebeispiel feiern lässt, sind die Beginner, früher mal die Absoluten Beginner. Vor 25 Jahren gegründet, mit 14 popeligen Jahren, sind die Kerle inzwischen 40, krasser Oldschool-Hip-Hop geht nicht mehr ganz so leicht von den Lippen wie mit Anfang 20. Was haben die Jungs gemacht? Was ganz Neues probiert. Eine Mischung aus Lässigkeit, Reife, guter Laune und "fetten Lines", wie sie sagen. Klingt tatsächlich frisch, aber eben auch völlig anders als früher. Und funktioniert wahnsinnig gut. Hier würde ich sagen: Comeback gelungen. Sollen sich die anderen Musikfuzzies mal ein Stück von abschneiden. So.

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