Sonntag, 4. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Fliegen!

Grundsätzlich reise ich unheimlich gerne. Ich mag es, mir Gegenden anzusehen, die ich bis dato noch nicht kannte. In andere Kulturen einzutauchen, fremde Mahlzeiten zu essen, andere Sprachen zu lernen - also einfach woanders zu sein. Das Problem dabei: Wenn ich mich nicht gerade mit Blattdeutsch und der etwas exotischen ostfriesischen oder bayrischen Kultur zufrieden geben will, dann muss ich Fliegen. Und ich hasse Fliegen.

Die Ursache brauche ich auch nicht lange suchen: Meine Eltern sind mit mir als Kind nie geflogen. Urlaube fanden eigentlich immer in unterschiedlichen Teilen Deutschlands statt, dabei überwiegend die Berge und selten das Meer. Das abgefahrenste war ein Urlaub in Südtirol, verbunden mit zehn Stunden Autofahrt. Ihre Flugaversion kommt auch nicht von ungefähr - mein Vater hat Flugangst. Und meine Mutter hat das hingenommen.

Wenn ich also mal raus aus Deutschland will, muss ich ins Flugzeug steigen. Oder eine sehr, sehr lange Auto- bzw. Busreise auf mich nehmen. Nur spricht das für mich gegen Entspannung: Ich muss erstmal etliche Stunden fahren, um anzukommen, habe also danach nur noch mehr Erholung nötig. Wenn ich abreise, geht die Entspannung auch sofort flöten, denn ich muss die Strecke wieder zurück fahren. Inklusive Stau, Konzentration und Monotonie. Nein, danke.

Sandro Almir Immanuel  / pixelio.de
Deshalb kam es für mich auch nicht in Frage, meinen ersten Auslandstrip nach London mit Auto oder Bus zu machen. Gerade für ein Wochenende lohnt es sich erst recht nicht. Außerdem war ich mit Freunden dort, die kein Problem mit Fliegen hatten - da wollte ich nicht als das Weichei dastehen. Und günstiger war der Flug auch. Also haben meine Eltern meinen Freund und mich morgens um vier Uhr an den Flughafen gebracht, wo wir gefrühstückt haben. Er zumindest. Denn ich habe nicht viel runter bekommen. Der Check-in hingegen machte mich weniger nervös, schließlich hatte ich da noch meine Füße auf festem Boden. Und je länger es dort dauerte, desto später flogen wir los. Es dauerte aber nicht lange. Alles lief pünktlich.

Wir wählten unsere Plätze, wobei ich darauf bestand, zwei Menschen neben mir zu haben, die Händchen halten konnten, vor allem für Start und Landung. Denn, das habe ich oft genug gehört, dabei passieren die meisten Unglücke. Als das Flugzeug auf die Startbahn fuhr, hatte ich schon einen ähnlichen Puls wie ein Sprinter. Nur ungesund höher. Der Gedanke: Jetzt gleich heben wir ab. Jetzt. Gleich. Oh, sofort, machte mich panisch. Ich zerquetschte die Hand meiner Mitflieger, war schweiß gebadet und die Hoffnung, wenn wir erstmal in der Luft sind, würde es besser werden, löste sich schnell auf. Auch oben über den Wolken war mir noch Bange. Deshalb durfte mein Freund am Fensterplatz auch die Jalousie nicht hoch ziehen, obwohl er fliegen, vor allem in den Sonnenaufgang, liebt. Ich bestand auch drauf, weiter die Hände zerquetschen zu dürfen. Die erste kleine Entspannungswelle kam erst, als der Pilot mit uns sprach und uns zum Flug begrüßte. Denn: Wenn der Mann lässig mit uns reden kann, ist kein Notfalls eingetreten. Alles läuft nach Plan.

Die nächste Panikattacke ließ aber nicht lange auf sich warten. Als das Flugzeug nach einer zwanzig Minuten stetig sank, dachte ich: Jetzt ist es vorbei. Wir werden sterben. Schließlich sollten wir ursprünglich erst nach fünfzig Minuten landen. Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass immer mehr Flugzeit eingeplant wird und wir mit Rückenwind einfach etwas schneller unterwegs waren. Puh, Gott sei Dank.

Kaum waren wir am Terminal angekommen, war ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Mein Freund deutete das natürlich falsch. Er grinste mich an und sagte überzeugt: "Na, siehst du? War doch halb so schlimm." Meine Laune kippte sofort. "Klar war das schlimm! Ich freu mich nur, dass ich noch lebe!"

Nach diesem Flug folgten noch weitere vier. Und es stimmt schon: Jedes Mal wurde ich entspannter. Ich freue mich in Flugzeugen zum Beispiel immer, wenn ich die Flugstrecke verfolgen kann. Das beruhigt mich (hat aber auch schon für Panik gesorgt, als wir eine Schleife fliegen mussten und auf einmal ganz woanders waren). Aus dem Fenster gucken kann ich inzwischen auch, ist ein ziemlich schöner Anblick, vor allem bei Sonnenaufgang und -untergang. Entspannt bin ich aber noch lange nicht. Ich muss zwar keine Hand mehr halten, aber man sieht mir die Erleichterung immer an, wenn sich der Pilot meldet. Lesen geht auch, aber verkrampft. Und bei Unwetter starten und Landen ist der Horror. Vor allem wenn der Pilot nichts sehen kann und nur nach Radar fliegt. Ich vertraue den Leuten zwar blind, aber das mulmige Gefühlt fliegt mit. Das Schönste ist aber immer noch, wenn das Flugzeug wirklich gelandet ist. Wenn ich wieder eine Kultur entdecken kann, auf die ich mich lange gefreut habe und erstmal eine Weile Urlaub machen kann. Der Gedanke an den Rückflug kommt noch früh genug...

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