Montag, 19. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Herbst!

Heute ist es so weit. Mir ist kalt genug, um wieder in einen Sweater zu schlüpfen. Er ist grau, hat bunte Tropfen aufgemalt und es steht drauf: "Regen ist schön!" Nur, um gleich aufzuklären: Ich mag Regen nicht. Außer Sommerregen, der ist schön warm und frisch und sorgt nicht dafür, dass ich friere. Aber trotzdem trage ich den Sweater. Moodmanagement nennt sich das. Oder Selbsttäuschung. Und genau das mach ich auch mit dem Herbst.

Besonders ärgerlich ist ja, dass es keinen richtigen Sommer gab. Gefühlt eine Woche, in der Realität maximal vier. Der Rest war Spätfrühling oder Frühherbst. Denn zwanzig Grad, Dauerregen und Wind sind für mich kein Sommer. Und ein Jahr ohne Sommer ist Mist. Umso frustrierter bin ich, dass jetzt schon der Herbst da ist. Eine Jahreszeit, die mich deprimiert. Wenn man sieht, dass die Bäume langsam gelbrotbraun werden statt grün zu sein, man immer einen Regenschirm dabei haben sollte, Sonnenstrahlen Seltenheitswert bekommen und man öfter friert als schwitzt.

Manche Leute sehen das noch extremer als ich. Die wollen den Sommer wieder herbei zwingen. Vorhin kam mir ein Mädchen auf dem Rad entgegen. In Hotpants und Lederjacke. Bei 18 Grad. Das war mehr Botschaft als Anpassung. Und gestern stand neben mir an der Bushaltestelle eine Frau mit Sonnenbrille, obwohl der Himmel grau war. Ja, das ist mal Statement.

angieconscious  / pixelio.de
Genauso gibt es Menschen, die sich den Herbst schön reden. Erst vor kurzem habe ich einen Beitrag auf der Seite Edition F gelesen, in dem es um 20 Gründe geht, den Herbst zu lieben. Beim Titel war ich schon skeptisch. Als ich rein gelesen habe, war mir klar, was da läuft: Das ist Selbsttäuschung. Wir reden uns so lange positive Dinge ein, bis wir die Umstände mögen. Klar, man kann wieder ohne
schlechtes Gewissen Bingewatching betreiben. Klar, man hat wieder ein gutes Gefühl, wenn man sich abends einen Kakao oder einen Tee macht. Und natürlich kann man sich wieder einkuscheln ohne zu schwitzen. Schön und gut. Aber sich aufs Mützen tragen freuen? Oder auf den angenehmen Geruch von gewaschenen Mänteln in Bus und Bahn? Und am witzigsten fand ich, dass man sich auf den Herbstblues freuen soll. Deprimiert sein ist ja super, wenn man darf. Ehm - wie bitte?

Ich bin da ehrlich: Herbst ist einfach Mist. Weniger Mist als Winter, aber da gibt es wenigstens Weihnachten, bunte Lichter und Lebkuchen. Das einzige Lebensmittel, das mich momentan aufheitert, ist der Pumpkin Spice Latte bei Starbucks. Und der würde mich im Frühling genauso froh machen.

Zugegebenermaßen - ich verstehe, warum man sich Gründe suchen soll, etwas gut zu finden. Gerade wenn etwas blöd ist, man es aber nicht ändern kann. Deshalb habe ich beschlossen, auch nach Dingen zu suchen, die - das klingt nicht ganz so euphorisch wie Silvia Fallmanns Beitrag - den Herbst erträglich machen. Kakao und Tee trinken hab ich schon erwähnt, genauso das Einkuscheln. Und es gibt wenig besseres, als durchgefroren in die warme Wohnung zu kommen und zu wissen: Da muss ich heute nicht mehr raus. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich den Herbst mag. Aber wir akzeptieren uns gegenseitig.

PS: Wer Interesse an Silvia Fallmanns Beitrag auf Edition F hat, hier der Link:
https://editionf.com/16-Gruende-warum-der-Herbst-einfach-die-beste-Jahreszeit-ist

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