Montag, 10. Oktober 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Terrorismus!

Heute Morgen bin ich schon um halb sechs aufgewacht. Nicht, weil ich wollte, sondern weil ich einen Albtraum hatte. Einen der Art, bei dem man schweißgebadet mit einem Puls von 200 aufwacht und erstmal nicht mehr schlafen kann. Eigentlich habe ich nicht oft Albträume und wenn ich sie habe, dann befinde ich mich in ihnen meistens in einer Art Horrorfilm. Heute war das anders. In meinem Traum ging es um einen Terroranschlag.

Kurz zum Traum: Der Anschlag wurde einige Orte weiter durchgeführt, in einer Stadt, die weder wirtschaftlich noch kulturell relevant ist. Es war in einem viel besuchten Museum, grob 80 Menschen starben. Also der bis dahin größte Anschlag in Deutschland. Ich stand in einer größeren Halle vor Bildschirmen und verfolgte die Breaking News mit vielen weiteren Menschen, alle geschockt. Da stürmen drei vermummte Männer mit Maschinengewehren in die Halle und feuern drauf los. Keine Ahnung, warum ich das im Traum wusste - man weiß ja nie, warum Dinge in Träumen passieren - aber es gab gleichzeitig noch mehr dieser Überfälle. Am Ende starben 450 Leute.

Eigentlich wollte ich über das Thema keinen Blogeintrag machen, denn ich finde, dass man Terrorismus kein Forum geben soll. Aber der Traum hat mir aufgezeigt, dass ich unterbewusst Angst habe und es vielleicht noch mehr Menschen so geht.

Jedenfalls lag ich nach dem Traum wach und meine erste Überlegung war, wie ich heute zur Arbeit kommen soll. Öffentliche Verkehrsmittel waren erstmal völlig ausgeschlossen. Ich war wie gelähmt. Selbst der Gedanke, aus dem Haus zu gehen, lähmte mich. Und das machte mich wütend, denn normalerweise fürchte ich mich nicht vor Anschlägen oder Terrorismus.

Das hat zweierlei Gründe. Zum einen möchte ich nicht, dass diese fürchterlichen Menschen und ihre Gruppierungen gewinnen. Ich möchte nicht mein Leben einschränken, weil sie glauben, dass ich es nicht wert bin, am Leben zu sein, nur weil ich aus einem anderen Kulturkreis komme. Ich möchte Menschen nicht mit Skepsis oder Misstrauen begegnen, nur weil eine kleine Gruppe uns Menschen aus den westlichen Ländern nicht akzeptiert. Und ich möchte mich nicht unsicher fühlen bei Dingen, die mir Spaß machen, weil die eventuelle Möglichkeit besteht, dass diese kleine Gruppe Kämpfer losschickt, die uns nicht nur den Spaß, sondern auch das Leben nehmen wollen.

Zum anderen, das muss ich ehrlich gestehen, machen mich die bisherigen Anschläge zwar betroffen, aber sie betrafen mich nie. Ich finde es entsetzlich, dass im nahen Osten ständig Bomben explodieren oder sich Menschen in die Luft sprengen und andere mit sich reißen. Aber was das bedeutet, kann ich nicht beurteilen. Ich habe es nicht erlebt und es ist so weit weg, dass ich mir das Leid nicht vorstellen kann - und vielleicht auch nicht vorstellen möchte, aus Selbstschutz. Die Anschläge in Paris haben mich mehr bewegt, auch wenn es weniger Opfer gab, denn dort war es ein Angriff auf unsere westliche Lebensweise. Ich schäme mich für den Gedanken, aber Paris war näher an meiner Lebenswelt, auch wenn die Anschläge in der Türkei, Syrien oder Pakistan verheerender waren. Aber auch nach Paris wäre es anmaßend zu behaupten, ich wüsste, wie das ist. Ich fühlte mit, war schockiert, doch mein Leben ging weiter. Ähnliches mit Brüssel. Ich habe mein Facebookfoto nicht mit der Landesflagge oder dem Eiffelturm hinterlegt, weil ich in keinster Weise verstehe oder miterlebe, was ein solcher Anschlag mit den Menschen vor Ort macht. Nichts desto trotz schlich und schleicht sich seitdem Angst bei mir ein. Ganz leise, fast unbewusst. Erst Recht bei den Terrorattacken ins Ansbach und in Würzburg.

Glücklicherweise ist Europa bislang von größeren Anschlägen verschont geblieben, vor allem im Vergleich zu den Nahost-Ländern. In Deutschland wurden die Attentäter meistens gestellt oder haben bei ihren Anschlägen niemanden töten können. Aber je öfter man von Fehlversuchen oder Festnahmen hört, desto tiefer geht die Angst. Denn ich bin zwar auf der einen Seite glücklich, dass sich der Terrorismus in Deutschland bisher in Grenzen gehalten hat, aber in meinem Hinterkopf höre ich die Zeitschaltuhr, die tickt. Es ist nämlich keine Frage nach dem Ob, sondern eine Frage nach dem Wann, schließlich kam der Terrorismus näher und man hört auch immer öfter von potentiellen oder kleineren Attacken.

Ich merke, dass diese Gedanken Folgen haben. Ich mache mir nämlich Sorgen. Weniger um mich als um meine Lieben. Außerdem erwische ich mich im Alltag bei Gedanken, für die ich mich schäme. Beispielsweise betrachte ich meine Mitmenschen genauer. Steht jemand im Bahnhof und sieht sich nervös um, wird mir flau im Magen. Finde ich ein verlassenes Gepäckstück, gehe ich schnellstmöglich weg. Fliege ich in Urlaub, frage ich mich, ob sich an Bord eine Bombe befindet. Diese Gedanken dominieren nicht, aber sie sind da. Und ich glaube nicht, dass ich damit alleine bin. Gewissermaßen haben die Terroristen also ihr Ziel erreicht.

Der Unterschied ist bloß, dass ich diese Gedanken nicht gewinnen lassen, sondern sie in den Hinterkopf schiebe. Ich werde nie jemanden aus Prinzip unhöflich oder unfreundlich behandeln, weil er so aussieht, wie uns die Medien Terroristen vermitteln. Ich werde weiterhin auf Konzerte oder Feste gehen oder in Urlaub fliegen. Ich werde weiterhin an Moral und an das Gute im Menschen glauben und ich werde auch weiterhin öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Heute Morgen bin ich übrigens doch Bus gefahren. Und ich hatte keine Angst.

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