Donnerstag, 24. November 2016

Mein Plädoyer... für einen besseren Wohnungsmarkt!

...oder warum Träume und die Realität eben doch etwas ganz anderes sind!

Es gab Zeiten, da hab ich mich immer wieder auf Immobilienseiten wie Immoscout erwischt. Voller Neugier und Träume. Nie auf der Suche, aber immer voller Wünsche und Möglichkeiten. Ich habe mir Wohnungen angesehen, die überhaupt nicht in meiner Preisklasse lagen, mit Dachterrassen, tollem Blick auf die ganze Stadt, bodenlangen Fenstern, Parkett, Fußbodenheizung und immer mit der Vorstellung im Hinterkopf, wie ich diese Wohnungen einrichten würde. Erstaunlicherweise waren zu diesen Zeitpunkten hunderte Wohnungen inseriert, viele, die sogar realistisch in Frage gekommen wären.
Michael Grabscheit  / pixelio.de

Aber auf die Träume und Wünsche folgt irgendwann die harte Realität. Die Umzugsrealität. Der Zeitpunkt, an dem ein Umzug ansteht, anstehen muss und an dem man diese Seiten nicht mehr verträumt, sondern verzweifelt öffnet. Zeiten, in denen man diese Seiten, die Makler, die Vermieter und auch alle anderen Menschen, die irgendwie mit dem Wohnungsmarkt in Berührung stehen, verflucht.

Meine Realität ploppte im September auf. Wir mussten eine Wohnung suchen. Voller Optimismus und Vorfreude öffnete ich die Immobilienseiten, weil ich wusste, dass ich sie mag. Bis ich genauer hinsah. Wir ziehen in keine Großstadt, eher eine normale Stadt. 70.000 Einwohner. Man sollte meinen, dass es dort genügend Wohnungen gibt. Pustekuchen. Insgesamt waren 15 Wohnungen inseriert, davon fünf nicht mal ansatzweise leistbar, drei für beeinträchtigte Menschen, drei, die schon seit einem halben Jahr inseriert waren und zwei, die ich niemals von innen sehen möchte - es blieben also sage und schreibe zwei Wohnungen übrig, die irgendwie in Frage kamen. Zwei. Und ich habe nicht nur auf einer Online-Seite nachgesehen. Also habe ich Anfragen geschickt. Eine wurde mir beantwortet. Ich betone: Eine. Und die sollten wir am nächsten Tag besichtigen kommen. Flexibilität ohne Grenzen. Klar. Auf einmal war mir dieser ganze Wohnungsmarkt nur noch zuwider.

Ich suchte weiter. Mitte Oktober. Nur noch elf Wohnungen inseriert. Drei waren in Ordnung, von einer kam wieder keine Rückmeldung. Eine andere Wohnung sollten wir besichtigen, wann immer wir wollen. Wir planten alles entsprechend, wollten am nächsten Tag in die Stadt fahren, da kam per SMS die Nachricht, dass die Wohnung bereits vergeben sei. Die Verzweiflung keimte auf, schließlich lag der Umzug gar nicht mehr weit in der Zukunft. Ich beschloss, ein Zeitungsinserat aufzugeben, auch in den Kleinanzeigen setzte ich etwas rein. Eine Anfrage kam. Das war's.

Währenddessen waren in meiner Heimatstadt plötzlich 122 Inserate online. Ironisch.

Anfang November ging alles dann ganz schnell. Es gab kurzfristig noch einige Anzeigen, wir hörten auf, unsere Suche auf diese Stadt zu beschränken und schauten uns auch in den umliegenden Dörfern um. Neun Besichtigungen kamen zustande. Und damit ging das Elend weiter. Denn auf die Realität vor Ort ist hart. Denn man muss um Sympathie buhlen, überzeugen, sich verkaufen können. Pro Wohnung gibt es grob zehn Anwärter. Der Makler und der Vermieter suchen aus. Hat nur einer von beiden einen Arbeitsvertrag, wird das schon mal nichts. Da können wir die Wohnung noch so toll finden - wir wurden vertröstet. Das fand ich daran am witzigsten: Am besten soll man am nächsten Tag kommen, auch wenn man eigentlich arbeiten und noch stundenlang fahren muss, also am besten soll man freiberuflich oder arbeitslos sein. Auf der anderen Seite soll man aber bitte so viel verdienen, dass einem das Geld aus den Ohren quillt.

Woran haperte es also vor Ort: Die Makler kamen deutlich zu spät, obwohl wir noch andere Termine hatten. Einer hat vergessen, überhaupt mal Bescheid zu geben, dass die Wohnung längst vergeben ist. Und dass wir einen gemeinsamen Termin hatten. Eine Vermieterin war so unerträglich laut und ätzend, dass ich auch freiwillig auf die Wohnung verzichten wollte. In einer Wohnung fand eine Massenbesichtigung statt. Zehn Leute in zehn Minuten. Und die ganze Fahrerei von Wohnung zu Wohnung, von Ort zu Ort machte mich auch wahnsinnig.

Eigentlich dachte ich, mit den Gesetzesänderungen 2015 würde es sich mal zum besseren ändern. Keine Maklerprovision mehr, keine krassen Mietpreiserhöhungen, alles etwas entspannter. Aber Pustekuchen. Stattdessen sind die Chancen, eine Wohnung zu finden, noch weiter gesunken. Viele Wohnungen werden unter der Hand vergeben, damit man sich einen Makler spart. Massenbesichtigugnen oder massig Anwerber sind Regel statt Ausnahme. Wohnungssuche ist also nach wie vor Stress. Wenn nicht sogar noch mehr als früher.

Glücklicherweise sind wir fündig geworden. Auch privat, ohne Makler. Mit einem Riesenglück! Aber der Weg dahin war steinig. Einfach mal so auf den Immobilienseiten verlaufen, um träumen zu können? Nein, danke. Und ich bin heilfroh, dass die nächste Wohnungssuche noch eine ganze Weile in der Zukunft liegt. 

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