Donnerstag, 19. Januar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Sonntag!

oder: Warum ich Sonntage suspekt finde

Dieses Gefühl, wenn morgens kein Wecker klingelt, man aufwacht und weiß: 
Ich hab noch einen Tag frei, bevor es Montag ist. 
Igitt, Montag. Und alles wieder von vorne losgeht, wie jede Woche. 
Aber hey, immerhin noch ein ganzer Tag ohne all das. 

Viel mehr war der Sonntag für mich nie. Er lag zwischen dem genialen Samstag und Montag, dem Schrecklichen. Und pendelte irgendwo dazwischen herum. Theoretisch gut, dass es ihn gibt, aber so richtig was damit anzufangen wusste ich trotzdem nicht.

Das hat sich irgendwie schon in meiner Kindheit manifestiert. Da gab es sonntags immer die Familienausflüge. Also wurde ich von meinen Eltern ins Auto gepackt, meistens mit Walk-Man und schlechter Laune, und wir düsten an einen Ort, der ihnen gefiel. Das waren mal Museen, mal ein Wald, oft kleine schöne Städte oder ein Fluss, an dem man spazieren gehen konnte. Wir wanderten, entdeckten, erkundeten dann einige Stunden den Ort, bevor wir Kaffee tranken, Kuchen aßen und wieder nach Hause fuhren. Mein kindliches Ich fand das jedes Mal furchtbar. Vielleicht, weil ich zu der Zeit wenige Interessen mit meinen Eltern teilte, vielleicht aber auch, weil ich mir den Sonntag früher schon gemütlich vorstellte: Lange schlafen, Filme gucken, nichts tun eben. Aber wenn ich mal Ruhe hatte, war es irgendwie auch nicht gut, denn so was ist stinklangweilig.

Jahre später stelle ich fest, dass davon aber einiges haften geblieben ist. Ich mag Ausflüge an Sonntagen, auch wenn ich sie mit meinem Freund nicht allzu oft mache oder schaffe. Wir besuchen auch am Wochenende noch regelmäßig unsere Eltern und das Kuchenritual hat sich eingeschlichen, um zu bleiben. Ohne Sonntagskuchen fehlt etwas.

Trotzdem ist mir der Tag suspekt. Mein Kopf verbindet Sonntage noch immer mit Kirchenbesuchen und geschlossenen Geschäften. Eben der Tag in der Woche, in der alles ruht. Der das krasse Gegenteil des hektischen Alltags inne hat und sich immer anfühlt, als hätte jemand eine Vollbremsung gemacht, nur nicht auf der Autobahn, sondern im Leben.
Eigentlich ist so was sinnvoll, gleichzeitig aber auch langweilig. Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der schnell glaubt, etwas zu verpassen. An Sonntagen verpasst die Welt etwas - denn es passiert ja meistens nichts Wichtiges. Alle sind in ihrer eigenen Bubble versunken und gehen Dingen nach, denen sie sonst nicht nachgehen können, aufgrund von Arbeit oder Alltagsstress. In meiner Familie wurde und wird sonntags nicht mal Hausarbeit gemacht. Staubsaugen als Sonntagssünde.

Innerlich macht mich diese aufgezwungene Ruhe aber fuchsig, weil ich, wie meine Mama immer sagt, Action brauche. Ruhe ist kontraproduktiv. Und wenn alle ruhen, auch nichts besonderes mehr. An Samstagen entspannen - gerne. Sonntag, wo ich es gewissermaßen muss, nein danke. Mal ganz davon abgesehen, dass Sonntag der Tag vor Montag ist und somit einen bitteren Beigeschmack bekommt, je weiter er voran schreitet. Schließlich hat man sonntags immer im Hinterkopf, dass das Wochenende ganz schnell vorbei sein wird. Und die Arbeit laut nach einem ruft.

Wozu Sonntage gut geeignet sind, ist das katern. Wenn man Samstag feiern war und ein bisschen was getrunken hat, kann man sonntags einfach mal die Beine lang machen und - nichts tun. Es braucht für den katrigen Zustand nicht mal Alkohol. Wenn ich nüchtern bis morgens um sechs tanze, geht der Sonntag trotzdem zum Erholen drauf. Und obwohl sich das für mich nur semi-gut anfühlt, weil ich ja lieber Dinge tue, ist das zumindest zweckdienlich und somit in Ordnung.

Manchmal genieße ich es auch einfach, mit meinem Freund ausgiebig Bingewatching zu betreiben, dazwischen kleine Unterbrechungen für aufgeschobene Hausarbeit. Wann hat man in der Woche schon Zeit dazu? Höchstens Sonntag! Und da ich mittlerweile auch schon lange nicht mehr Zuhause wohne, wird es auch nicht misstrauisch beäugt.

In diesem Sinne habe ich euch auch noch direkt vier Songs zusammen gestellt, die Sonntagszustände gut auffangen. Wer nichts zu tun hat - hier ist was.

Agora - Bear Hands (Indie)
Kaffee trinken, Kuchen essen, Gemütlichkeit und Quatschen. Sonntag eben. Dazu passt super das chillige Agora von Bear Hands.
Chillig, groovig, gemütlich

https://www.youtube.com/watch?v=Gm4n0QMWi7Y

Vibes - Tove Lo (Pop)
Statt ihrem Ex hinterher zu jammern, singt Tove Lo jetzt sinnlich über Flirts. Die können sprichwörtlich zu einem Wochenende im Bett werden. Und dafür ist Vibes sicherlich der richtige Soundtrack.
Sexy, sinnlich, feminin

https://www.youtube.com/watch?v=8ByEwKngoQQ

Get things done - Little Boots (Elektro-Pop)
Worum geht's? Ach ja, um Arbeit. Ganz doof, am Sonntag. Aber Little Boots singt nicht darüber, was noch getan werden muss, sondern dass man einfach mal entschleunigen soll - und Dinge liegen lassen. Das passt doch wiederum ziemlich gut zu Sonntag, oder?
Tanzig, Anti, Mitsingen

https://www.youtube.com/watch?v=G-jbbXKXxUU

Purple Yellow Red and Blue - Portugal. The Man (Indie)
Die Jungs von Portugal. The Man sind alles, nur nicht langweilig. Und weil sie auch noch den Groove raus haben, sind sie sogar ziemlich unterhaltsam. Für einen chilligen Sonntag bedeutet das: Aufs Sofa, Musik an und diesen entspannten Song bis in die Seele saugen. Respektive Tanzen, das geht auch immer. 
Groovig, cool, entspannt

https://www.youtube.com/watch?v=q5x_YoweEg8


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