Dienstag, 2. Februar 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Profilierungszwang!

Identitätsfindung ist ja eigentlich so eine Sache, die man in der Pubertät erlebt. Aber heutzutage ist es eher ein "erleben sollte". Denn obwohl man sich in seiner Teenagerzeit mit dem Thema auseinander setzt, findet die eigentliche Identitätsarbeit erst in den Zwanzigern statt. Wenn man einen Job oder eine Ausbildung sucht, nicht mehr in die Schule gehen muss und von Zuhause auszieht.

Nur läuft bei dieser Identitätsarbeit mancher Menschen echt was schief.
Wovon ich jetzt rede, ist der Profilierungszwang. Eigentlich ein Teenie-Phänomen, das immer dann statt findet, wenn man Menschen leugnet und sich selbst besser darstellt, um bei den "coolen Kids" mitzumischen. Zum ersten Mal hab ich das in der siebten Klasse erlebt. Und da passt das auch irgendwie hin. Das letzte Mal habe ich das in den letzten Wochen und Monaten mitbekommen.

Eine ehemalige Freundin von mir lebt den Profilierungszwang nämlich heute.
Und das ist bei Twentysomethings total seltsam.

Da werden Leute in Schubladen gesteckt. Für sie gibt es "Kaffeefreunde", mit denen man ernsthaft reden kann - aber nur alle zwei Monate. Am besten in Cafés, in denen man nicht gesehen wird. Weil das zwar super gut tut, mit denen zu reden und man das mit kaum jemand anderem kann. Feiern gehen geht mit diesen Kaffeefreunden aber nicht, denn dazu sind sie zu uncool. Stattdessen geht sie mit ihren "wahren Freunden" trinken und tanzen, bloß nicht mit den uncoolen Leuten.
Am auffälligsten war das an einer WG-Party. Ständig ist sie um ihre "wahren Freunde", also die coolen Kids, rumgehüpft, wollte ihnen alles recht machen und zeigen, wie "cool" sie ist, aber die anderen, die normalen, wurden in der Ecke stehen gelassen und ignoriert. Irgendwie ganz schön arm.

Ich finde, dass wir mit Mitte 20 über diesen Profilierungszwang hinaus sein sollten. Das merke ich beispielsweise auch an meiner Freundschaftsdefinition: Freunde sind Menschen, die man mag und mit denen man gerne Zeit verbringt. Da geht es nicht um sozialen Status, sondern darum, einen Draht zueinander zu haben. Mit denen rede trinke ich gern Kaffee, weil wir dabei reden können. Mit denen mache ich auch super gerne DVD-Abende. Und der einzige Grund, nicht mit ihnen feiern zu gehen ist, wenn sie eben generell nicht gerne feiern gehen. Deshalb hat jeder, den ich mag und mit dem ich gerne Zeit verbringe, potentiell die Chance, ein Freund zu werden. Warum auch nicht?
Schließlich sind wir In the Middle of 20 und nicht In the Middle of Schulhof.

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