Sonntag, 24. Juli 2016

Mein Plädoyer für mehr... Serien!

Dieses Gefühl... Nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen, die Schuhe abzustreifen, von der engen, unbequemen Jeans in die Jogginghose schlüpfen, auf die Couch zu fallen und Netflix zu starten. Es gibt wenige Worte, die diese Wohltat beschreiben können. Manche finden das langweilig, eintönig, anspruchslos und bequem. Ich nenne das Ritual, Entspannung, Wohlfühlen.

Christoph Konitzer  / pixelio.de

Seit ich die Serienkultur vor ein paar Jahren für mich entdeckt habe, ist mein Interesse an vielen Filmen auch gravierend gesunken. Denn die Erfahrung zeigt: Filme müssen oberflächlich bleiben, um den gesamten Inhalt in 90, maximal aber 120 Minuten zu vermitteln. Würde man dieselbe Geschichte auf eine Serie ausdehnen, ginge viel mehr Tiefe.

Das merkt man auch immer wieder, und zwar in allen Genres. Horror zum Beispiel. Ist ein Horrorfilm oft nach denselben Kriterien aufgebaut (Opferfiguren, meistens eine Gruppe Teenager, verläuft sich irgendwo oder ist neugierig und wird so mit dem Übermonster konfrontiert, wobei am Ende immer nur einer überlebt). In Horrorserien ist da allerdings viel mehr Potential vorhanden. Da kann eine Atmosphäre aufgebaut werden, es kann mit mehreren Figuren gespielt werden, mit mehreren Bedrohungen. Die Möglichkeiten wachsen, alleine durch die größere Zeitspanne.

Noch gravierender ist das bei Liebesfilmen, denn hier ist es wirklich (fast) immer dasselbe. Frau trifft Mann, viele widrige Umstände, am Ende finden sie sich trotzdem. In Serien lässt sich da auch viel mehr in die Abgründe schauen. Warum kriegen sie sich nicht? Was passiert in der Zwischenzeit? Große Themen werden angesprochen, wie die Frage, ob es die wahre Liebe überhaupt gibt, was nach der ersten Verliebtheit passiert oder ob Monogamie ein geeignetes Konzept ist. Inhalte, die jeden Filmrahmen vermutlich sprengen würden.

Das einzige Genre, das als Film wirklich gut funktioniert, ist der Thriller. Mörderjagden machen manchmal auch in 90 Minuten Sinn, wenn sie bedacht vorgehen. Thrillerserien haben natürlich auch ihren Charme, die Jagd auf den Mörder kann so zu viel mehr Irrungen und Wirrungen führen.

Doch Serien haben noch mehr Vorteile. Zum einen die Neugierde. Man hat einen Grund, dran zu bleiben, schließlich will man wissen, wie es weiter geht. Und weil Serien mit ihren durchschnittlichen 40 Minuten deutlich kürzer sind als Filme, geht das auch mal zwischendurch. Hat man Zeit, am Wochenende zum Beispiel, gehen natürlich auch mal drei oder vier Folgen am Stück. Außerdem baut man irgendwie eine Beziehung zu den Charakteren auf. Früher oder später hat man das Gefühl, die Protagonisten zu kennen. Die Chance, sich zu identifizieren, ist durch den langen Zeitraum und die genauere Darstellung viel höher. In der Publizistik spricht man vom Phänomen der parasozialen Beziehungen, also einseitige Beziehungen zu einem TV-Charakter. Das fängt damit an, dass man den Fernseher laufen lässt, um sich nicht alleine zu fühlen und hört damit auf, dass man emotional völlig mitfiebert, wenn Ted die Mutter seiner Kinder sucht.

Aus all diesen Gründen ist Serien gucken, manchmal auch Binge-Watching, eine super Möglichkeit, runter zu kommen und in diese andere Welt abzutauchen, wenn auch nur kurz. Besonders, wenn es in meiner Welt mal wieder stressig ist. Je nachdem wie lange ich eine Serie gucke, übernehme ich sogar die Eigenschaften meiner Lieblingscharaktere. Nach Sherlock klugscheiße ich gerne mal ein bisschen herum. Nach The Big Bang Theory fühle ich mich wie ein Blondchen, das keine Ahnung von der Welt hat. Und nach 30 Rock kann man nicht mit mir reden, weil sämtliche Antworten, die ich gebe, an einem gewissen Wahnsinn grenzen (danke, Tina Fey...). Ich fühle und lebe irgendwie mit.

Falls ihr auch noch Serien sucht, in dir ihr mal richtig abtauchen könnt, hab ich euch auf meinem Blog drei Listen zusammen gestellt. Viel Spaß beim Stöbern - und beim Binge-Watching ;-)

http://inthemiddleoftwenty.blogspot.de/2016/01/serienspecial-teil-1-wohlfuhlserien.html

http://inthemiddleoftwenty.blogspot.de/2016/01/seriencheck-teil-2-sitcoms.html

http://inthemiddleoftwenty.blogspot.de/2016/02/serienspecial-teil-3-horror-serien.html

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