Mittwoch, 14. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Bewerbungen!

Eigentlich wollte ich für diesen Blogeintrag meine allererste Bewerbung raussuchen. Für mein Schulpraktikum in der elften Klasse. Warum? Weil sie peinlich war. Zutiefst peinlich. Aber ich finde sie nicht mehr, deshalb muss es auch anders gehen.

Aber mal ganz von vorne. Bewerbungen waren nie meine Stärke. In meiner Jugend habe ich sie sogar gehasst. Sie fordern Zeit, entscheiden über so vieles, sind aber total trocken und aufgesetzt. Im schlimmsten Fall zumindest. Entsprechend sah meine erste Bewerbung aus. Ein zusammen geklatschter Lebenslauf, in dem außer Hobbys und Schule nicht viel drin stand, ein halbherziges Anschreiben, das vermutlich drei Zeilen Text enthielt und mein letztes Schulzeugnis. Fertig war ich.
Überraschend, dass ich das Praktikum trotzdem bekommen habe. Andererseits: Kostenlose Arbeitskräfte lehnt man ungern ab.


I-vista  / pixelio.de
Nur hat mich diese Leichtigkeit - schmierige Bewerbung, trotzdem Stelle bekommen - enorm geprägt. Kurz vor dem Abi, als es um Zukunft und Jobsuche ging, hab ich es ähnlich gemacht. Ich habe Stellen rausgesucht (die ich eigentlich nicht haben wollte, aber fürs Ego probiert man es ja trotzdem, falls Plan A nicht klappt), eine meines Ermessens gute Bewerbung getippt und optimistisch gewartet. Hat bisher auch immer alles funktioniert, warum sollte das jetzt anders sein?

Pustekuchen. Nach drei Wochen hagelte es Absagen. Ich merkte: Das war wohl nichts. Ein Bewerbungsgespräch kam damals dabei rum, aber das wollte ich nicht annehmen, denn wer eine so schlechte Bewerbung als gut empfindet, muss verzweifelt sein.

Glücklicherweise hat Plan A geklappt, ich habe studiert, auch ohne Motivationsschreiben oder ähnliches, und war ganz glücklich. Bis auf einmal das sechste Semester da war, die Bachelorarbeit mir auflauerte und ich auf einmal doch Bewerbungen schreiben musste. Denn weiter studieren kam für mich nicht in Frage.

Also habe ich gegoogelt, geschaut, was man von mir erwartet. Was war es? Kreativität und Authentizität. Super toll. Mach das mal bei einer Bewerbung. Ich hab alte Bewerbungen raus gekramt, umformuliert, ausgefeilt, ergänzt. Meine Freunde konnten mir dabei nicht wirklich helfen, denn entweder wollen sie sich selbstständig machen oder sie studieren noch weiter. Ich war auf mich alleine gestellt. Nach wochenlangem Versinken in Bewerbungen, Stellenausschreibungen und viel, viel vor dem Laptop sitzen, hatte ich alles fertig. 37 Seiten. Und es war alles andere als ein Tipp, tipp, hurra! Eher ein Tipp, tipp, uah! Noch nervenaufreibender als das Schreiben der Bewerbungen war lediglich das Absenden, denn ab da gab es kein Zurück mehr. Den Senden-Button klicken war jedes Mal ein kleiner Herzinfarkt.

Drei Wochen passierte nichts. Jedes Mal, wenn mein Handy vibrierte, zuckte ich zusammen und hatte erneut beinahe einen Nervenkollaps. Erst einmal zurecht, wie sich herausstellte, denn die ersten Antworten waren Absagen. Reihenweise. Das wurde mir zwar vorausgesagt, aber schwarz auf weiß ist das ganz schön deprimierend. Ich suchte neue Stellen raus, optimierte die Bewerbung. Es machte sogar wirklich klick, die Bewerbung war am Ende stimmiger, kreativer, passender. Und es funktionierte: Auf meine neu verfasste Bewerbung kam keine Absage mehr. Ich wurde zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Plötzlich lief es.

Im Nachhinein bin ich erleichtert, erst einmal mindestens zwei Jahre keine Bewerbung mehr schreiben zu müssen. Sowas macht echt keinen Spaß, es ist frustrierend und frisst Zeit. Aber ich hab immerhin gelernt, wie es funktioniert, wie man den Ton trifft und warum es sich auch lohnt, wenn man sie für den richtigen Job schreibt.

Hier noch ein paar Tipps: 


  • Erwähnt im Betreff, woher ihr von der Stelle wisst
  • Schreibt auf keinen Fall euren Lebenslauf im Motivationsschreiben runter! Besser erwähnen, woher eure Leidenschaft für den Job kommt und warum die Stelle zu euch passt
  • Macht ein Deckblatt, auf dem euer Foto ist, das wirkt professioneller
  • Gliedert und formatiert euren Lebenslauf ordentlich
  • Am besten im Anschreiben einen Ansprechpartner erwähnen. Sehr geehrte/r kommt nie gut an, das wirkt, als hätte man sich nicht informiert
  • Seid authentisch - hochstapeln hilft euch am Ende nicht, sondern sorgt nur dafür, dass ihr euch früher oder später selbst bloß stellt
  • Stapelt aber auch nicht tief, sondern stellt selbstbewusst dar, was ihr könnt
  • Erwähnt Praktika oder Jobs besser nur, wenn davon eine Bestätigung vorliegt
  • Traut euch auch, Hobbys und Interessen reinzuschreiben, oft lässt sich zum gewollten Job eine Verbindung herstellen
  • Auf keinen Fall eine Vorlage nehmen, das fällt auf. Lieber selbst Zeit investieren und etwas Ordentliches abgeben


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