Montag, 5. Februar 2018

Mein Plädoyer gegen... das Tourist-Sein!

...oder warum es sich manchmal komisch anfühlt, als einer erkannt zu werden. 

Jeder von uns war schon mal Tourist. Klar, wer in Urlaub fährt, hat diese Rolle automatisch inne. Während das früher normal war und sich auch so angefühlt hat, ist es heutzutage unangenehm geworden. Nicht der Urlaub, sondern als Urlauber erkannt zu werden. So richtig aufgefallen ist mir das vor zwei Jahren in Spanien. Ich war mit meinem Freund in einem Freizeitpark und wir saßen in einer kleinen Parkbahn, als drei Reihen vor uns drei Menschen einstiegen. Die Frau hatte Trekkingsandalen und eine Bauchtasche an, der Mann ein weißes T-Shirt, eine Tankstellensonnenbrille, einen Anglerhut und Socken in seinen Sandalen. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Gibt es so viel Klischee noch? Und dann mein Gänsehautmoment: Sie redeten deutsch. Verzweifelt schaute ich meinen Freund an. Was ist, wenn sie uns ansprechen? Oh jemine. "Lass uns bitte auf Englisch miteinander reden", flüsterte ich meinem Freund zu. Er lachte kurz, aber wir zogen es durch. Immer, wenn wir sie in der Nähe erkannten, wechselten wir ins tiefste britische Englisch, wie wir es aus der Schule kannten.

Im Nachhinein frage ich mich: Warum? Nett ist anders. Was ist daran so peinlich, von anderen Deutschen im Urlaub erkannt zu werden?

Foto: SplitShire
Letztlich ging es mir darum, dass es diese Klischeetouristen waren - oder zumindest so aussahen. Denn Klischeetouristen sind wenigstens teilweise Schuld am schlechten Touri-Image. Zum einen denkt inzwischen nahezu jeder beim Wort Tourist an die diese Klischees. Zum Beispiel an Partyurlauber, die auf eine Insel reisen, am liebsten alles niederreißen würden, überall hinkotzen und dann sang- und klanglos wieder verschwinden. Oder an Sightseeing-Inhalierer, die jeden Ort in kürzester Zeit gesehen und fotografiert haben müssen. Deren Ruf ist weit verbreitet und mein Eindruck in den vergangenen Jahren war, dass da gerne Menschen über einen Kamm geschert werden. Touristen werden deshalb gerade im Ausland in zwei Kategorien aufgeteilt: Entweder gern gesehen, weil Geld, oder nicht erwünscht.

Das versteh ich sogar. Ich hab ein halbes Jahr in Trier gewohnt, inmitten der Fußgängerzone, nahe des Doms. Und sowohl am Wochenende als auch bei Events war in der Innenstadt die Hölle los. Zugegeben, dort gab es vor allem die Sightseeing-Fans, aber auch die waren so anstrengend, dass wir heilfroh um unsere geheimen Bars und Kneipen waren, in denen wir unsere Ruhe hatten. Aber neben den Überallfotografierern gibt es ja auch Menschen, die ganz unauffällig einfach die Gegend kennenlernen wollen. So geht es mir zum Beispiel. Wenn ich im Urlaub bin, möchte ich keine verzauberte, arrangierte Stadt oder Region vorfinden, dir mir Menschen so präsentieren. Ich möchte sehen, wie es dort wirklich ist. Wie die Leute dort leben, was sie dort machen. Das passt natürlich denjenigen nicht, die mit Touristen Geld verdienen wollen. Und dass die Einheimischen skeptisch sind, verstehe ich auch. Aber ich möchte ja gar keinen nerven, sondern einfach nur dort sein. Ohne Stress, ohne Kamera, ohne harte Partymucke und massig Alkohol. Und ist das der Grund, dass ich nicht als Tourist erkannt werden möchte. Weil ich nur so die Chance hab, den wahren Zauber eines Ortes zu erleben. Zumindest ein bisschen.

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