Montag, 25. Juni 2018

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die Neon!

...oder: Warum mit dieser Zeitschrift auch ein Stück Journalismus stirbt

Es gibt wenige Dinge, deren Ende mich wirklich zutiefst traurig machen. Die Neon war eines dieser Dinge. Ich saß gerade vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, meine Clique um mich versammelt, als ich auf Facebook über die Meldung stolperte. Es hatte sich ausgemagazint. Stundenlang dümpelte meine Laune um den Tiefpunkt herum.
Danke, Neon! ♥

Aber warum eigentlich? Warum schafft es das Ende eines Magazins, das es übrigens 15 Jahre lang gab, mich so umzuhauen? Weil es einzigartig war. Und so perfekt für meine Zielgruppe, dass es durch nichts ersetzt werden kann.

Das erste Mal entdeckte ich die Zeitschrift auf dem Klo. Damals war ich gerade 18 Jahre alt und besuchte meinen Freund in seiner damaligen WG. Dort stapelten sich auf dem Spülkasten mindestens 30 quietschgrüne, teils auch wildbunte Neon-Ausgaben. Die Titelthemen klangen ganz nett, aber irgendwie sprach mich das Magazin einfach nicht an. Und ich weiß auch nicht mehr, wann sich das änderte. Aber irgendwann hielt ich eine Ausgabe in der Hand, im Kiosk, und dachte mir: Dich will ich. 

Diesen Eindruck behielt ich, auch während des Lesens. 4,20€? Das war's mir wert. Für das unnütze Wissen, für die ehrlichen Kontaktanzeigen, die Reportagen und für das Lernen von... Weil mich die Themen abholten, wo ich stand. Weil das Themen waren, die mich selbst beschäftigten - und offenbar nicht nur mich. Neon gab mir Ratschläge, Informationen, andere Perspektiven. Jedes Mal spürte ich eine große Portion Glück, wenn ich meine Nase tief zwischen den DINA4-Seiten vergrub.

Natürlich gab es nicht nur gute Zeiten. Beim Relaunch 2016, als plötzlich das ganze Layout anders aussah, schwor ich mir: Dich kauf ich nicht mehr. War mir zu blöd. Aber gab es eine Alternative? Nein. Im Nachhinein fühle ich mich, als wäre ich ein bisschen mit schuld, dass es das Magazin ab August nicht mehr gibt. Denn die Leserzahlen sind gravierend zurück gegangen. Waren es 2012 noch um die 225.000 Verkäufe, sanken sie bis 2018 auf knapp 70.000. Diese Statistik hat die Neon selbst in ihrer finalen Ausgabe herausgebracht. Vielleicht als subtilen Vorwurf an ihre Leser, vielleicht als Erklärung. Ganz aus dem Nichts kamen die sinken Zahlen aber nicht. Etliche meiner Freunde fanden die Neon zu linksorientiert. Die Redaktion zwinge zu stark ihre Meinung auf.

Fand ich auch manchmal. Es gab Texte, die mich geärgert haben. Aber macht nicht genau das freien Journalismus aus? Dass ich reflektiere und mir meine Meinung bilde (auch wenn sie völlig anders ist). Pluralismus ist doch super!

Jetzt haben wir auf dem Magazinmarkt das genaue Gegenteil. Für Menschen jenseits der 20 und U30 gibt es fast nichts mehr. Zumindest nichts, was beide Geschlechter anspricht. JWD, Joko Winterscheidts Druckerzeugnis, kann ich nicht ernst nehmen und boykottiere ich - wer will auf jeder Ausgabe Joko sehen? Na bitte. Zeit Campus ist vor allem für Studierende. Aber was ist mit den anderen? Was bleibt für mich? Seht ihr, deshalb blutet mir das Herz. Mein Traum war, irgendwann mal für Neon zu arbeiten. Menschen erreichen mit dieser grandiosen Mischung. Mit diesem Gefühl. Denn Neon war ein Gefühl. Auf der ersten Seite schreibt die Redaktion in ihrem Abschiedsbrief: "Bleibt ein bisschen Neon." Ich kann nur antworten: Danke und ja, mach ich. 

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