Grow up! 15 Dinge, die ich übers Erwachsen sein gelernt habe...

...oder: Was mir meine Lieblingsmenschen übers Leben beigebracht haben!

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Erwachsen sein ist manchmal schwierig, manchmal heimtückisch, manchmal anspruchsvoll. Aber es ist auf jeden Fall völlig anders als Kind sein. Niemand ist so richtig darauf vorbereitet und obwohl man hinein wächst, reicht das einfach nicht; immer wieder begegnet man Situationen, durch die man völlig unwissend durch muss. Deshalb dachte ich, dass ich euch hier ein paar Ratschläge geben kann, wie man diesen Situationen besser begegnen kann. Und was man wissen sollte über das Erwachsen sein. Doch als ich mal darüber nachgedacht habe, ist mir schlichtweg kaum etwas eingefallen. Ich mir echt den Kopf zerbrochen, seit mehr als zwei Wochen schon. Bis ich den zündenden Gedanken hatte: Ich denk mir die Ratschläge nicht selbst aus, sondern schreibe für euch auf, was mir meine Liebsten über das Leben beigebracht haben. Denn - wenn wir mal ehrlich sind - lernen wir vieles durch unsere Mitmenschen, Freunde und Familie. Weil sie Dinge erleben, bei denen wir bloß zuschauen. Weil sie uns Sachen erklären und beibringen. Weil sie auf eine Art Weise sind, wie wir es nicht sein werden. Deshalb, liebe Lieblingsmenschen, widme ich diesen Beitrag euch und gebe den Lesern Ratschläge, die ich ohne euch nicht geben könnte. 

Keine Sorge, ich habe alle Namen geändert. Trotzdem glaube ich, dass ihr euch in den Beiträgen erkennt, auch wenn es sonst niemand tut. 

1. Lerne, mit Kritik umzugehen
Mein Vater pflegte immer zu sagen: Das Leben ist hart, sei härter. Und ja, verdammt, er hat Recht. Dir wird nichts geschenkt, im Gegenteil: Du musst so einiges einstecken. Vor allem Kritik. Manchmal ist sie berechtigt, manchmal nicht. Aber egal, wie es ist, hier mein erster Tipp (den ich selbst erstmal verstehen musste): Lernt aus Kritik. Und sei es bloß, im richtigen Moment zu nicken. Denn Gegenwind macht stark. Ist die Kritik aber konstruktiv, kann sie euch auf eurem Weg weiterbringen. Vergesst dabei nie: Wenn sich jemand die Zeit nimmt, euch Feedback zu geben und mitzuteilen, woran ihr noch arbeiten könnt, heißt das, dass dieser jemand euch fördert. Und das ist selten - aber deshalb umso lobenswerter. Wisst das zu schätzen.

2. Erweitere deinen Horizont
Vor wenigen Wochen war ich mit meinem Freund in Mainz. Wir saßen abends mit zwei wunderbaren Freundinnen zusammen, einem Pärchen, und sprachen über Gott und die Welt. Und das Küssen und Gefühle. Die beiden hatten darüber eine völlig andere Meinung als ich. Je länger wir darüber sprachen, desto mehr merkte ich, dass andere Menschen ganz andere Perspektiven auf Dinge haben können. Das habe ich mir viel zu selten bewusst gemacht. Dieses ganze Gespräch hat mir geholfen, wieder meine Gedanken zu öffnen und die Perspektive zu wechseln. Etwas, das jeder von uns einfach viel öfter machen sollte.

3. Hör niemals auf, dich auszuprobieren
Eine meiner Freundinnen ist so richtig schön quirlig. Sie hat ständig neue, abgefahrene Ideen und probiert andauernd etwas Neues aus. Frage ich sie, wie es jetzt weiter geht demnächst, sprudelt sie über und entscheidet sich am Ende doch für etwas ganz anderes. Sechs Wochen hat sie mich zum Beispiel in einer unserer Allgäuer Redaktionen besucht, sechs Wochen war sie in Böblingen. Was mich manchmal überfordert, ist aber eigentlich etwas total lobenswertes. Denn noch sind wir jung und noch dürfen wir uns ausprobieren. Warum nicht in verschiedene Dinge reinschnuppern? Festlegen können wir uns doch noch früh genug!

4. Herzensfreundschaft bleibt
Meine längste Freundschaft teile ich mit Kathrin. Ich habe sie kennen gelernt, als ich 15 war, in der Big Band. Sie nahm mich sofort herzlich auf, obwohl sie zweieinhalb Jahre älter war als ich. Fast täglich sahen wir uns nach der Schule, waren ein eingeschworenes Team. Dabei war ich damals ziemlich pubertär... Zwei Jahre später machte sie ihr Abitur und zog nach Trier, uns trennten plötzlich 100 Kilometer.  Für mich war das erst einmal ein Weltuntergang, denn, wie ihr euch vielleicht denken könnt, sind 100 Kilometer für 17-Jährige verdammt weit. Heute, sechs Jahre später, trennen uns sogar 600 Kilometer, denn ich wohne im Allgäu und sie im Ruhrpott. Wir beide sind älter geworden, reifer, haben uns ganz schön verändert. Trotzdem ist diese Freundschaft unzerbrechlich. Wir telefonieren, sehen uns regelmäßig und sie ist noch immer einer der tollsten und wichtigsten Menschen, die ich kenne. Kathrin hat mich gelehrt, dass eine Herzensfreundschaft bestehen bleibt. Scheiß egal, wie weit der andere entfernt ist.

5. Setz Priortäten
Manchmal weiß man gar nicht, wo einem der Kopf steht. Auf der Arbeit ist das alles immerhin noch auf acht Stunden täglich beschränkt - zumindest meistens - aber privat ist das manchmal ähnlich. Freizeitstress, wie meine Mutter zu pflegen sagt. Erwachsene müssen also lernen, Prioritäten zu setzen. Denn das macht das Leben aus. Das heißt nicht, Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen, sondern ganz klar zu sieben. Meine Freundin Jana hat damit besonders zu kämpfen, weil sie viele Hobbys hat, eine Fernbeziehung und dann auch noch dummerweise Freunde wie mich, die weit weg wohnen. Umso schöner ist es, wenn sie sich Zeit für einen nimmt, wenn man doch mal in der Nähe ist. Zum Beispiel letztens, als ich ein Wochenende in Mainz war und sie morgens zum Frühstücken vorbei kam. Trotz Stress.

6. Es findet sich immer ein Weg
Manchmal ergeben sich im Leben Situationen, die alles kompliziert machen. Bei einem Kumpel von mir, Ben, war das so. Er verliebte sich bei einem Sportturnier in ein Mädel, das in seiner Studienstadt lebte. Dummerweise lebte er dort nicht mehr. Eine ganze Weile führten die beiden eine Fernbeziehung, bis sie einen Job in seiner Nähe fand. Heute leben die beiden zusammen und haben sogar zwei Hasen (unheimlich putzig!). Ähnlich war es bei meiner Freundin Bettina. Sie hat drei Fächer studiert, hatte Gelegenheitsjobs und sich durchgewurschtelt. Bis sie heute mit mir ihr Volontariat macht. Und aufblüht. Oder mein Kumpel Leon, der sich durch zwei Jobs angeln musste, bis er mit seiner Freundin nach Wiesbaden ging, wo seine ganze alte Clique inzwischen lebt. Es findet sich also immer ein Weg, wenn auch vielleicht nicht sofort.

7. Verschwende keine Zeit an falsche Freunde
Jeder von uns hat sie: Menschen, mit denen man Zeit verbringt, obwohl sie Gift für einen sind. Und man sich nach jedem Treffen fragt, warum man eigentlich seine Zeit verschwendet hat. Aber die Angst, alleine zu sein oder in Streit zu geraten, ist zu groß und so bleibt man in dieser Beziehung oder Freundschaft. Hier ist Yvonne mein Vorbild. Sie hatte eine Mädelsclique, die oberflächlich war und sich gar nicht für sie interessierte. Irgendwann merkte Yvonne das, hatte genug und entschied, lieber sie selbst sein zu wollen. Also sagte sie den Mädels, dass sie sich zurück zieht, auch wenn das erst einmal bedeutet, deutlich weniger Freunde zu haben. Ich bin stolz darauf, dass ich sie jetzt als meine Freundin zählen kann.

8. Do what you love
Manchmal schlägt man im Leben den falschen Weg ein. Wie mein bester Freund Christoph. Er wollte Jurist werden, spürte aber immer deutlicher, dass er das Falsche tut. Vor dem ersten Staatsexamen, in das er viel Zeit investiert hatte, schwenkte er um. Mit vielen Gewissensbissen. Jetzt bewirbt er sich für Soziologie, weil er merkt, dass er dafür einfach brennt. Das hat mir gezeigt, dass manchmal Umwege nötig sind, um glücklich zu sein. Dass es sich aber immer lohnt, dafür einzustehen.

9. Sei du selbst
Frederike war noch nie bequem. Sie ist laut, redet viel, grunzt süß beim Lachen und färbt sich ihre Haare gerne bunt. Frederike fällt auf. Und ist auch so manches Mal schon damit angeeckt. Aber das ist völlig egal, weil sie eben so ist. Genau das ist unheimlich liebenswert und verdient den größten Respekt, weil sie sich nicht verstellt. Ihr ist egal, was andere denken. Dafür - und für ihren tollen Charakter natürlich - mag ich sie unheimlich gerne!

10. Me first!
Okay, das mag jetzt komisch klingen, vielleicht überheblich und egozentrisch. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Es hilft nichts, im Leben nur auf andere zu schauen. Denn wir verbringen nun mal die meiste Zeit mit uns selbst. Da sollten wir dafür sorgen, dass es uns gut geht und wir mit uns klar kommen. Ein gutes Beispiel ist mein Kumpel Florian. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein, auch wenn es ihm momentan schlecht geht. Nach außen lässt er davon nichts dringen. Andere sind ihm wichtiger als er selbst, zumindest oft. Das ist falsch. Denn das eigene Wohlbefinden ist doch am wichtigsten. Erst wenn wir uns wohl fühlen, können wir uns auch ausreichend um andere kümmern. Also: Stellt euch selbst mehr in euren Lebensmittelpunkt und hegt und pflegt euch!

11. Scheiß auf Konventionen
Eines meiner Lieblingspaare sind Nathaniel und Andrea. Sie sind inzwischen seit (grob) neun Jahren zusammen und nicht verheiratet. Warum? Weil sie das so wollen. Sie hat zwar ein Tattoo mit seinem Anfangsbuchstaben auf dem Handgelenk und sie teilen sich seit Jahren eine Wohnung - und Zukunftspläne haben sie natürlich auch. Aber heiraten möchten sie vorerst nicht. Gut so, denn es ist ihr Leben. Die Norm sollte nicht unser Leben bestimmen und wie das geht, zeigen die beiden ganz wunderbar!

12. Liebe kommt unerwartet
Die schönste Liebesgeschichte haben Jonah und Finja. Die beiden kenne ich schon ziemlich lange, beide Partypeople, wie sie im Buche stehen. Dann lernte Jonah Finja beim Feiern kennen, sie verliebten sich, hatten eine Beziehung. Plötzlich war Finja schwanger. Etwas, dass sie - ähnlich wie Heiraten - nicht wollten. Das grätschte beiden völlig in ihren Lebensstil. Doch sie bekamen das Kind. Jonah beteuerte damals noch, irgendwann bekomme er Finja vor den Traualter. Zwei Jahre später, Oktober: Beide sagten Ja. Das schönste waren die Brautworte: "Liebe Gäste, ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nie sein wollte. Und bin irre glücklich." Liebe findet eben immer ihren Weg. Das wäre dann auch mein Appell an Singles: Nicht verzagen, oft kommt die Liebe unerwartet.

13. Immer schön ehrlich sein 
In meiner Familie habe ich gelernt, dass Harmonie wichtiger ist als klare Worte. Hakte es irgendwo, wurde das nicht angesprochen. Alle beteiligten fraßen es in sich hinein. Als Erwachsene habe ich aber das Gegenteil gelernt: Ehrliche (diplomatische!) Worte lösen manchen kleinen Konflikt, bevor er auflodern kann und sorgt für geklärte Verhältnisse. Kostet ja nicht viel, mal sanft auf den Tisch zu hauen. Am besten hat mir das meine Freundin Svenja gezeigt. Sie haut einem manchmal Dinge um den Kopf, dass die Ohren nur so schlackern. Aber das macht sie, weil sie mich mag. Und ich möchte auf nichts davon verzichten (wobei ich dir immer noch übel nehme, dass ich so spießig bin...:-P).

14. Ein bisschen gleich, ein bisschen anders
Schon wieder Liebe. Aber hey, das beschäftigt einen als Erwachsenen doch auch. Hier ist mein Freund mein Mentor. Meine vorherigen Beziehungen waren Chaos, geprägt von aufgewühlt sein und Spannung. Bei meinem Freund ist das anders. Auf den ersten Blick könnten wir nicht unterschiedlicher sein: Er eher still und introvertiert, ich laut und selbstbewusst. Aber auf den zweiten Blick sind wir uns unglaublich ähnlich. Verstehen uns blind und teilen dieselben Werte. Genau das macht Liebe meiner Ansicht nach aus, sie braucht beides: Gegensätze, die einen Reiz ausmachen, und Ähnlichkeiten, die Nähe schaffen.

15. Die Familie ist unglaublich wichtig
Es gibt Tage, da habe ich verflucht, dass ich einen großen Bruder habe. Und es gab Zeiten, in denen ich mit meinen Eltern ganz schön im Clinch lag. Aber wenn es hart auf hart kam - und das habe ich in meinem jungen Leben schon zwei Mal erleben müssen - war meine Familie der wichtigste Halt. Egal, wie oft wir uns kabbeln und in den Haaren liegen, haben sie immer einein Sonderstatus. Ich kann auf sie zählen, genauso wie sie immer auf mich zählen können. Familie ist einfach ein Band, den man pflegen sollte und der nicht reißt.

Jeder von euch, der hier einen Punkt in der Liste hat und an der ein oder anderen Stelle denkt: "Huch, das bin ja ich", kann sicher sein, dass er nicht nur hier, sondern auch in meinem Herzen einen festen Platz hat. Ihr seid die tollsten Menschen!

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