Donnerstag, 5. Januar 2017

Welcome to Bavaria: Winter in Bayern!

Eigentlich dachte ich, ich kenn den Winter. Er ist kalt, am Ende beziehungsweise Anfang des Jahres angesiedelt und währenddessen wächst draußen nichts, die Bäume sind kahl. Ach ja, und manchmal fällt ein bisschen Schnee. Soweit, so bekannt.

Doch dann kam ich nach Bayern. Meine erste Arbeitswoche ist heute Abend rum und neben vielen Dingen, die ich schon im Job gelernt habe, kam eine große Freizeitweisheit dazu: Winter ist viel mehr als das, was ich kannte. Hier entspricht Winter noch den Bilderbuchgeschichten. Meterhohe Schneehaufen, Glatteis, Schneematsch, klirrende Kälte. Winter ist in Bayern eben so, wie man ihn sich eigentlich vorstellt und wie ihn sich manche wünschen.

Für Wintersportler ist das sicherlich ganz toll. Die Skipisten werden alle langsam geöffnet - Kunstschnee (oder wie ein Leser forderte: Maschnee, weil maschinell erstellt) ade - Schlitten- und Schlittschuh fahren machen Sinn und so lustige Dinge wie Schneeballschlachten könnten theoretisch zum Alltag gehören. Die Bayern kennen das und sind das gewöhnt. Ich nicht.

 Heute Morgen meinte in Allgäuer zu mir:
Das bisschen Schnee da zählt doch gar nicht!
Vor zwei Jahren, da hat's geschneit! So sieht's aus...
Das fängt schon mit dem Gehen an. Lauf mal durch 30 Zentimeter Neuschnee. Man watet unsicher durch das kühle Nass, hofft, dass die Schuhe nicht durchweichen und kommt alle zehn Meter ins Rutschen. So benimmt man sich nun mal, wenn man Schnee kaum noch kennt. In Rheinland-Pfalz schneit es kaum. Zwei Mal im Jahr, wenn es hoch kommt. Die Reaktion darauf: Erst freuen sich alle wie die Kinder, weil "Oh, wie schön!"  und dann bricht das Verkehrschaos aus. Wegen den paar Flöckchen. Und mit Verkehrschaos meine ich Verkehrschaos. Kinder bekommen Schulfrei, weil keine Busse mehr fahren, Menschen legen sich reihenweise ab und Autos schleudern am laufenden Band über Landstraßen.
In Bayern bricht zwar auch das Verkehrschaos aus - aber hier ist es berechtigt! Wenn es schneit, dann nämlich richtig. So stark, dass man kaum noch etwas sehen kann. Erst Recht nicht im Dunkeln. Hier ist es auch so kalt, da bleibt der Schnee eine Weile lang liegen. Taut an, gefriert. Taut an, gefriert. Entsprechend hart ist die unterste Schicht auf Gehwegen und Straßen. Wer in der Stadt oder auf dem Land (also nicht Autobahnen oder Bundesstraßen) den Berg hoch oder runter will, muss starke Nerven haben. Parken ist auch so eine Sache, denn man muss das Auto erst einmal in die Schneehaufen am Straßenrand bugsieren können. Ohne sich festzufahren. Und in den Kurven bete ich immer, dass die Leitplanke oder Hauswand stabil genug sind, sodass sie mich und mein Auto halten, falls ich es nach dem Rutschen nicht wieder in den Griff bekomme. Autofahren dauert jetzt auch länger. Statt der üblichen 35 Minuten zur Arbeit, brauche ich bei Winterwetter locker 50 Minuten. Und das ein oder andere Mal kam ich sogar schon todmüde an, weil der Weg mit all der Konzentration, die man aufbringen muss, total anstrengend war.

Am Wochenende sind jetzt -20 Grad gemeldet. Ja, der Strich vor der 20 ist Absicht. Es wird richtig kalt. Sibirisch kalt. Mal schauen, was der Schnee dann wieder nettes vorhat. Schmelzen wird er auf jeden Fall nicht.

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