Meine Ode an... die Heimat!

...oder: Was passiert, wenn man mal wieder Zuhause ist

Viele leben noch in ihrer Heimat, andere nicht. Und denjenigen, die es in die Ferne gezogen hat, geht es wahrscheinlich ähnlich wie mir, wenn sie mal wieder nach Hause kommen. Alles ist genauso wie früher, gleichzeitig aber auch ganz anders. Momentan bin ich für ein paar Tage Daheim - und mir ist aufgefallen, dass mir als Weggezogene Dinge auffallen und passieren, die mir früher nie passiert wären. Was das ist, habe ich euch einmal zusammen geschrieben:

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1. Dialekt
Oft, wenn ich Menschen aus meiner Heimat begegne, fällt mir auf, dass ich ganz schnell wieder in meinen Dialekt verfalle. Das dauert nur wenige Sekunden. Noch krasser ist das natürlich, wenn ich länger Zuhause bin. Kaum rede ich mit meiner Mutter, den Großeltern oder anderen Einheimischen, schwätz isch widder wie frieher. Egal, wie sehr ich mich bemühe - unterbewusst bin ich wieder angekommen, auch sprachlich. Hochdeutsch wird erst wieder gesprochen, wenn ich mich auf dem Heimweg, also in Richtung Allgäu, befinde. Frühestens. 

2. Gegend-Check
Auch wenn ich das gar nicht bewusst tue - ich habe immer einen Blick auf Veränderungen. Denn man kennt schließlich keinen Ort so gut wie den, an dem man aufgewachsen ist. Da fällt der Nachwuchs gegenüber auf, die neuen Häuser in der Nachbarstraße, die Baustelle in der Innenstadt oder der neue Supermarkt am Stadtrand. Und genau genommen will ich das auch sehen, denn obwohl ich weggezogen bin, interessiere ich mich noch dafür, was aus meinem Heimatort wird. 

3. Wiedersehen mit Menschen von früher
Heimkommen hat zwei Gesichter: Einerseits treffe ich Menschen von früher wieder, andererseits treffe ich Menschen von früher wieder. Glaubt mir, auch wenn das identisch klingt, liegen dazwischen ganze Welten: Es gibt diejenigen, über die ich mich riesig freue, wenn ich sie zufällig im Supermarkt treffe, und diejenigen, bei denen dann der akute Fluchtreflex einsetzt. Doch beides passiert immer, ausnahmslos. 

4. Familienrunde
Heimkommen artet immer in Stress aus. Klar, ich freu mich sehr, wenn ich alle Lieben wieder sehe. Aber ich muss sie auch wiedersehen, sonst fühlt sich jemand benachteiligt oder ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Also tingele ich in kürzester Zeit alle engeren Verwandten und Freunde ab, bekomme Kuchen in Massen serviert und freue mich, wenn ich doch mal einen Abend ganz in Ruhe habe. Es ist schön, aber entspannend ist das nicht.

5. Stress
Die fehlende Entspannung hat natürlich auch mit dem Fahren zu tun. Bis ich Zuhause ankomme, bin ich locker viereinhalb Stunden unterwegs - wenn alles gut läuft. Üblich sind fünf Stunden. Das ist irre stressig. Fahre ich nur für ein Wochenende hoch, besteht fast die Hälfte der Zeit aus der Fahrt. Aber das hab ich davon, dass ich soweit weggezogen bin. 

6. Keinen Ort kennt man so gut wie den Heimatort... 
Es passiert mir immer wieder, auch heute noch: Menschen fragen mich Zuhause nach dem Weg, einem Restaurant, einer Kneipe. Und natürlich weiß ich das noch. Denn die Orte, an denen man sich wirklich Zuhause fühlt und Jahre verbracht hat, kennt man wie die eigene Westentasche. Am Ende des Tages verpasst man doch weniger als erwartet. Daran mache ich auch den Begriff "Heimat" fest: Wer einen Ort liebt, kennt ihn und behält ihn im Herzen. Egal, wie weit oder wie lange man weg ist.

7. ...aber man lernt trotzdem noch neue Ecken kennen
Trotzdem ist es faszinierend, dass ich auch in meinem Heimatort immer wieder neue Ecken entdecke. Gestern war ich zum Beispiel mit meinem besten Freund an einem Aussichtspunkt, von dem man über die ganze Stadt schauen kann. Wenige hundert Meter weiter kenne ich mich gut aus, aber diese wunderschöne Stelle war mir völlig neu. Das heißt, in jedem Ort, auch in der vertrauten Heimat, liegt der Zauber der Entdeckung. Die Augen offen halten lohnt sich also.

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